Isabelle ist Annas Mitbewohnerin und datet gerade nicht. Der Grund? Es ist ihr zu anstrengend, zu frustrierend. Sie lernt auf Datingapps keine Männer kennen, die sich auf ein Gespräch einlassen. Sie fühlt sich «wie ein Stück Fleisch» behandelt. Tinder hat sie deshalb seit einiger Zeit gelöscht. Aber für die Reportage lädt sie die App nochmals herunter und zeigt, nach welchen Kriterien sie beim Swipen vorgeht. Lou ist seit 14 Jahren Single und wünscht sich «nichts mehr als eine Beziehung». Seit Oktober hat er mit einem Mann Kontakt, den er auf Grindr gematcht hat. Sie telefonieren, schreiben sich und teilen ihr Leben und Alltag vier Monate lang - online. Lou wünscht sich ein Treffen im echten Leben, aber sein Schwarm ist wegen Corona vorsichtig und meldet sich zudem seit zwei Wochen nicht mehr. Nina hat bis vor kurzem noch vier Männer parallel gedatet. Dann hat sie aber eine schlechte Erfahrung gemacht, als sie einen davon zu sich nach Hause eingeladen hat. Während der Pandemie kann man
Am ersten Tag begleitet Livio die Streetworkerin Romina Beeli auf einer ihrer Touren durch den Stadtgarten. Sie verteilt hygienisches Spritzenmaterial, pflegt bei Bedarf offene Wunden und spricht mit den Menschen. Livio kommt mit verschiedenen Leuten in Kontakt, die ihm über ihr Leben und vom Stadtgarten erzählen. Ueli verkehrt schon seit 30 Jahren in der Szene und würde sich einen geschützten Konsumraum wünschen. Würde es einen solchen geben, so wie in anderen Schweizer Städten, gäbe es auch keine offene Drogenszene, meint er. Ein Dealer und Drogenkonsument lädt Livio sogar zu sich nach Hause ein und kocht vor seinen Augen Kokain zu «Base». «Base» sei die gängigste Droge im Stadtgarten und habe in letzter Zeit auch viele neue, junge Menschen angzogen. «Freebase» ist in Ammoniak aufgekochtes Kokain. Es wird geraucht und macht schwer psychisch abhängig. Der Dealer erzählt Livio, wie brutal es manchmal im Stadtgarten zu und her gehen kann: «Wenn die Süchtigen ihren Stoff brauchen, kennen
Immer am letzten Freitag im Monat fahren überall auf der Welt jeweils tausende Velofahrer:innen gemeinsam durch die Städte. Rec.-Reporter Simon Reinker beobachtet den Veloumzug in der Stadt Zürich schon länger – von seinem Wohnzimmerfenster aus. Im Frühling 2021 ist die Zahl der Velofahrer:innen explosionsartig gestiegen. Die Vermutung liegt nahe, dass der Anstieg mit der Pandemie zu tun hat. Der Velo-Event ist einer der wenigen Momente, in denen so etwas wie Partystimmung aufkommt. Reporter Simon trifft Beni, der seit zehn Jahren an der Critical Mass teilnimmt - nicht der Party wegen, sondern weil er langfristig eine Verkehrswende herbeiführen möchte. «Der kritischen Masse geht es darum, dass man sich auf der Strasse sicher fühlen darf.» Eine von ihnen ist Oli. Die Velokurierin wünscht sich mehr Platz fürs Velo und fährt jeweils mit einem Soundwagen an der Critical Mass mit. Sie beobachtet mit einer gewissen Skepsis, dass immer mehr ausschliesslich zum Partymachen kommen. «Man sieht L
«rec.»-Reporter Balz Oertli will wissen, wie sich das Leben in Nothilfe anfühlt und reist für seine Recherche quer durch die Schweiz. In Langenthal trifft er auf Saeed. Der gebürtige Iraner lebt seit acht Jahren in der Schweiz. Seitdem das Asylgesuch seiner Eltern abgelehnt wurde, lebt die Familie in «regulärer Illegalität». Saeed zeigt auf, wie schwierig es ist, mit acht Franken pro Tag durchzukommen, und was es heisst, mit einer fünfköpfigen Familie in einem Nothilfezentrum zu leben. «Ihr Ziel ist es, uns mittels widriger Lebensbedingungen aus der Schweiz zu vertreiben.» In der Zürcher Nothilfe trifft Balz auf verschiedene Familien, die von der Nothilfe leben. Gedacht ist die Nothilfe eigentlich als kurze Überbrückung nach dem negativem Asylentscheid, doch viele hier leben monate- oder gar jahrelang in prekären Umständen. Sie berichten von Angst und Hunger. Das Geld reiche kaum aus, um die Kinder zu ernähren. Ausserdem würden ihnen Bussen, gar Gefängnis drohen, weil sie sich illegal
Für die einen ist es ein Tabu-Bruch, für andere ist die Zeit reif für ein Umdenken: die weibliche Sexualität rückt in den Fokus. Seit der schwierigen Geburt ihrer Tochter vor zwei Jahren hat Reporterin Susan Merkofer keine stimmige Verbindung mehr zu ihrem Körper, ihrer Vulva. Das möchte sie ändern. Sie will sich wieder näherkommen und zu ihrer Sexualität zurückfinden. Doch wie sie schnell merkt, ist der Weg dorthin kein einfacher. Sie braucht mehr Mut als sie gedacht hätte und es kostet sie einiges an Überwindung, das Thema Selbstliebe und Selbstbefriedigung vor der Kamera, in aller Öffentlichkeit anzugehen. Susan Merkofer lotet für die Reportage ihre eigenen Grenzen aus und fordert sich selber heraus. Aus einer Fülle von therapeutischen Angeboten wählt sie stellvertretend zwei Kurse aus: «Orgasmic Yoga» und «Yoni Kuck». Was Susan Merkofer dabei erlebt, wie die Community auf das Thema «Vulva» reagiert und wie ihr Partner – «rec.» über ein Wechselbad der Gefühle, über Intimität und Sch
Viel Gepäck hat Reporter Donat beim Einzug nicht dabei. Zelt, Schlafsack, die Kamera natürlich und Bratwürste - als Mitbringsel für die Waldbewohner. Unter anderem sind das «Chrütli» und Urs, die beiden führen den Reporter sogleich ins Waldleben ein. Dazu gehört auch, wo und wie man in freier Natur seine Notdurft verrichtet. Zwar leben sie am Rande der Gesellschaft, doch auch hier gelten klare Regeln fürs Miteinander. Chrütli lebt bereits 10 Jahre illegal im Wald. Der gelernte Bereiter stand kurz vor einem Burnout, als er sich bewusst aus dem gängigen System zurück und in den Wald zog, wie er dem Reporter erzählt. Sehr zum Ärger der Waldburger, auf dessen Boden Chrütli und eine kleine Gruppe von Gleichgesinnten wild campierte. Die verhängten Bussgelder hat Chrütli zwar im Gefängnis abgesessen, ist aber gleich wieder in den Wald gezogen. Um den Streit zu schlichten, hat die Stadt Bern den Waldmenschen einen Flecken Erde zur Verfügung gestellt. Wem gehört der Wald? Was bedeutet eine solc
Andrea steht kurz vor der Explantation ihrer Silikon-Einlagen, als Reporterin Caroline sie daheim mit der Kamera besucht. Die Aussendienstmitarbeiterin ist eine von mehreren Frauen, mit welchen die Reporterin während ihrer Recherche zum Thema in Kontakt steht. Die Frauen berichten ihr von unterschiedlichen Leiden wie zum Beispiel Herzrasen, starken Gelenkschmerzen und Hautproblemen, chronischer Müdigkeit bis hin zu Konzentrationsstörungen. Die meisten von ihnen haben einen langen, frustrierenden Weg hinter sich. Denn die Krankheit ist noch weitgehend unerforscht und viele Fachleute sind nicht davon überzeugt, dass die genannten Symptome mit den Brustimplantaten in Verbindung stehen. Andrea, hingegen, hat daran keine Zweifel. Als Reporterin Caroline sie kurz nach dem operativen Eingriff im Spital besucht, sind die Silikon-Implantate, vier Jahre nachdem sie diese einsetzen liess, wieder draussen. Darf die 33-Jährige auf Heilung Hoffen? Warum reden einige Ärzte vom Placebo-Effekt, andere
rec.-Reporter Livio Chistell will wissen, was an den Vorurteilen dran ist und lernt für seine Reportage Tunerinnen und Tuner kennen - Menschen, deren Leidenschaft darin besteht, ihr Fahrzeug leistungsstärker zu machen oder es optisch und akustisch aufzumöbeln. Der Mechatroniker Gino Gradolf liebt sein Hobby über alles, investiert viel Zeit und Geld darin und regt sich auf, dass er mit Rasern und Posern in denselben Topf geworfen wird. Er will Reporter Livio zeigen, dass diese Schubladisierung ungerechtfertigt ist und lädt ihn zu einer Ausfahrt mit seiner Crew ein. Zusammen mit sechs anderen Autoliebhaber:innen fahren sie an einem Sonntag über drei Schweizer Pässe (Furka, Grimsel und Susten). «Wir fahren lieber auf Bergstrassen als in der Stadt. Hier darf es auch mal lauter sein und es stört niemanden», so Gino. Reporter Livio wird auf dem Rücksitz durchgeschüttelt, denn die Tuner fahren gerne zügig um die Kurven und sind auch mal mit 100 km/h statt den erlaubten 80 unterwegs. Geben sic
Reporter Robin Pickis steht schon am Anfang seines Selbstexperimentes vor einer Herausforderung: In welche Währung soll er investieren? Es gibt tausende davon. Robin entscheidet sich für die bekannteste Währung Bitcoin. Obwohl ihm der bekannte Krypto Influencer Chris Jaszczynski in einem Gespräch vom Traden abrät, will es Robin in diesem Monat wissen: Um mehr Gewinne zu machen, entscheidet sich Robin ein Risiko einzugehen und zu traden. Einmal zahlt es sich finanziell aus, ein andermal nicht. Ein Zeit- und Energieaufwändiges Unterfangen auf Kosten der Psyche. «Wie bin ich da eigentlich reingekommen?» fragt sich Robin und möchte herausfinden, wie der Hype um Kryptowährungen entstanden ist. So trifft er Urs Zellweger, einen Experten für Kryptowährungen, welcher ihm anhand von Pizza Emojis und einem Gruppenchat den Hype, sowie die Funktionsweise erklärt. Robin gerät nun immer mehr in den Sog von Kryptogeld und investiert 400 Franken in ein hochriskantes NFT Projekt und kauft ein virtuelle
Die heutige Normalroute führt über den Mittellegigrat. Lüscher ist mit der Bergführerin Laura Bomio unterwegs, der ersten weiblichen Bergführerin aus Grindelwald. Er ist ihr 13. Gast auf dieser Route. Die Bergtour auf den Eiger (3967m ü. M.) ist nichts für schwache Nerven. Links und rechts geht’s mehrere 1000 Meter in die Tiefe, bei Lüscher löst das mehr Faszination als Angst aus. Der schmale Grat zwischen Glück und Unglück erlebte Bomio schon am eigenen Leib, als ein Gast am Mittellegigrat ausrutschte und sie ihn glücklicherweise im richtigen Moment halten konnte. Gut 50 Jahre nach der Matterhorn Erstbesteigung gelang 1921 dann auch die Erstbesteigung des Eigers über den Mittellegigrat. Über 20 Jahre versuchten unzählige Bergsteiger eine Route über den äusserst schwierigen Grat zu finden. Drei Grindelwaldner Bergführern und einem Japaner gelang dann das scheinbar Unmögliche. Heute, 100 Jahre später, hat der Berg und der Grat nichts an seiner Anziehungskraft und Schwierigkeit verloren.
David ist seit mehreren Wochen in der Reha. Der Polizist war vor der Erkrankung topfit und sportlich. Nach der akuten Corona-Erkrankung litt er unter Atemnot und Panikattacken. Er sagt, mit dem Auftreten der Long Covid Symptome im vergangenen Januar sei seine Welt zusammengebrochen. Reporterin Anna besucht den Familienvater in der Klinik und begleitet ihn in die reflektorische Atemtherapie. Für David ist es schleierhaft, weshalb Leute Long Covid anzweifeln. «Denken diese, ich würde Atemnot aus Spass simulieren?» Auch Steffi kann die Zweifel an Long Covid nicht verstehen. Die Rettungssanitäterin hat sich höchstwahrscheinlich beim Transport von Corona-Patient:innen angesteckt. Seither leidet sie regelmässig unter Migränen, Erschöpfung und hat Probleme mit dem Gedächtnis, wie sie der Reporterin erzählt. Momentan wartet sie auf eine Therapie, die ihr helfen soll, ihre Energie einzuteilen. Bis dahin hat ihr Arzt ihr zu einer Alternative geraten: Waldbaden. Die Recherchen der Reporterin zeig
Rec.-Reporter Simon Reinker begleitet verschiedenen Klima-Gruppierungen bei ihren Aktionen und trifft dabei auf Hungerstreikende. An der Klimademonstration in Bern lernt er den 20-jährigen Rumen Grabow kennen, der ankündigt in Berlin in den unbefristeten Hungerstreik zu treten: «Das ist nicht lustig was wir hier machen. Wir haben alles versucht. Der Hungerstreik ist unser letztes Mittel um den Politiker: Innen zu zeigen, dass wir es ernst meinen.» Nach 24 Tagen ohne essen bricht er und seine sechs Mitstreiter: Innen die Aktion ab. Die Forderung nach einem Gespräch mit den Kanzlerkandidat: Innen wurde ignoriert. Zwei der Aktivisten gehen jedoch weiter in einen Durststreik und erreichen damit eine Teilforderung. Henning der insgesamt 27 Tage Teil der Protestaktion vor dem Reichstagsgebäude war, verbringt die nächsten drei Tage auf der Intensivstation. Trotzdem ist er der Meinung, das Hungern hat sich gelohnt: «Wir haben die Ignoranz der Politiker: Innen gebrochen und haben nun tatsächlic
Die Studentin Sidney Kunz ist 24 Jahre alt und will keine Kinder. «Wenn ich für mich schon keine rosige Zukunft sehe, wieso soll ich dann noch ein Kind in die Welt setzen, das mich überleben wird? Dann wird es noch schlimmer sein.» Sidney setzt sich für Nachhaltigkeit ein und ernährt sich vegan. Bei einem Mittagessen erzählt sie Reporterin Viktoria Kuttenberger, dass es für sie der grösste Albtraum wäre jetzt schwanger zu werden. Veronika und Alexandro Wöckner lieben die Berge, das Gleitschirmfliegen und vor allem ihre Unabhängigkeit. Um diese zu bewahren, entscheiden sie sich gegen Kinder. “Wir werden von Freunden mit Kindern um unseren Lifestyle beneidet”, sagt das verheiratete Paar. Das Ziel der beiden ist es, im Alter fit und unabhängig zu sein, auch finanziell. «Wenn ich Vater werden könnte, hätte ich das schon gemacht. Ich will einfach keine Mutter sein.» Für Rosanna Grüter ist es nahezu unmöglich die Gleichstellung der Frau mit dem Mamileben zu vereinen. Sie setzt sich aktiv für
SRF Virus-Moderator Robin Rehmann erhielt vor vier Jahren eine Mail von einer jungen Frau, die schrieb, sie sei in einer satanischen Sekte aufgewachsen und rituell missbraucht worden. In diesen Ritualen seien auch Babys geopfert worden und sie hätte Blut trinken müssen. Sie berichtete in einem persönlichen Gespräch mit Robin, dass bei ihr eine dissoziativen Identitätsstörung diagnostiziert worden sei und der Verein CARA (Care About Ritual Abuse) ihr dabei helfe, das Geschehene zu verarbeiten. Robin Rehmann besucht infolgedessen mehrere Informationsveranstaltungen und Seminare von CARA und lernt Leute kennen, die an diese unvorstellbaren Schilderungen glauben. In Gesprächen mit Vertreter:innen des Vereins, aber auch mit Psychologinnen und Psychiatern, die vermeintliche Opfer von satanistischen rituellen Gewalttaten therapieren, zeigt sich immer mehr, dass die Erzählungen an Verschwörungstheorien der bekannten Gruppe QAnon erinnern. Religions- und Sektenexperte Georg Otto Schmid bestätig
Die Reise führt rec.-Reporter Donat Hofer ins Toggenburg. Dort leben Bea Brand (48, Fachfrau Logistik) und Roland Schätti (55, diplomierter Landwirt). Das Paar gehört zum inneren Kreis der Freiheitstrychler, sie kümmert sich um die Finanzen, er organisiert Demos. Im Gespräch mit dem Reporter wird schnell klar, die beiden haben kein Vertrauen in Institutionen wie Medien, Politik und Wissenschaft. In ihren Augen wird die Pandemie inszeniert: «Kürzlich auf einer Wanderung sind wir an einem Friedhof vorbeigelaufen. Und haben kein einziges neues Grab gesehen. Wo sind denn all die Corona-Toten?» Am nächsten begleitet Donat Hofer das Paar an eine Massnahmen-Kritiker-Kundgebung nach Genf. Rund 30 Freiheitstrychler:innen sitzen im gemieteten Car und lauschen Rolis Begrüssung: «Guten Morgen im Impfbus nach Genf». Man lacht, und bedient sich sogleich an der «Impfstation» - eine Installation mit einer grossen Flasche Appenzeller-Schnaps. Für den Bauunternehmer Martin ist klar, dass «das Ganze von
Konversionsmassnahmen versprechen, die geschlechtliche Identität von LGBTQ+- Menschen zu ändern. Das Ziel ist die Heterosexualität und ist religiös motiviert. Vor allem gewisse Seelsorger aus freikirchlichen Kreisen versuchen mit zwielichtigen Massnahmen meist junge Menschen mit «Therapien» und Gebeten zu «heilen». Reporter Livio Chistell nimmt undercover selbst teil an solchen Sitzungen. Was in diesen jeweils 90 Minuten gesagt wird, hat ihn schockiert. Nur wenige Kantone verbieten solche Therapien. Schweizweit ist ein Verbot nie durchgesetzt worden. Trotzdem passieren solche Umpolungsversuche meist im Versteckten, da sie sehr umstritten sind. Laut aktuellen Studien kann eine Teilnahme an solch einer «Therapie» langfristig für psychische und physische Schäden verursachen. Livio spricht mit Mäth Gerber, der selbst während 10 Jahren an solchen Konversionsmassnahmen teilgenommen hat. Er erklärt was damals seine Motivation gewesen ist, was diese Behandlung mit ihm gemacht hat und wie er he
«Du siehst aus wie ein Urwaldmensch!» Als Kind wurde Shedea Dona Walser wegen ihres natürlichen Haares von ihren Mitschüler:innen gehänselt. Damals wünschte sie sich sehnlichst glattes, langes Haar und griff zu chemischen Mitteln, um ihren Afro zu glätten. Ähnlich erging es Trisha Martins – auch sie griff zu sogenannten Haarstreckungsmitteln. «Auf der Gebrauchsanweisung steht, für einen guten Effekt müsse man die Lösung so lange wie möglich einwirken lassen. Aber sie brannte und verätzte meine Kopfhaut.» Weil sie mit ihrem Afro hierzulande nicht auffallen möchte, trägt Trisha Martins ausser Haus immer eine Perücke. Für Reporterin Sofika macht sie eine Ausnahme und zeigt ihr natürliches Haar und auch ihre Perückensammlung für mehrere hundert Franken. Haare sind für Trisha mehr als bloss Trend. Es geht um Zugehörigkeit und Status. Shedea, hingegen, steht mittlerweile zu ihrem natürlichen Haar. Die Sängerin hat dem Afro einen Song gewidmet und möchte damit andere ermutigen, diesen ebenfal
Eine Woche Party und Urlaub in Mykonos, Ibiza oder Tulum auf einer Yacht und dafür mehrere tausend Dollar verdienen. Anfragen für solche «Image Trips» erhalten viele Schweizer Models über Social Media regelmäßig. Für ein Abendessen mit einem bekannten Schauspieler wurde dem österreichischen Model Jazz Egger zweitausend Pounds angeboten. Mit klarer Anweisung für anschliessenden Sex. Doch nicht bei allen Anfragen ist explizit klar, dass neben Präsenz noch mehr erwartet werden kann. Auch an Castings im Ausland werden den Models von sogenannten Promotern für Nachtessen und Reisen Angebote gemacht. Rebekka (Name der Redaktion bekannt) erzählt, dass die Absicht klar sei: «Meistens ist es das Ziel, dass man mit den Models schlafen kann.» Es herrsche ein kompetitives Umfeld im Modelbusiness, das Models eher dazu verleiten würde, solch unseriöse Angebote anzunehmen. Brana Dane, ein Model aus New York, welches sich für die Rechte der Models einsetzt, nimmt wie Jazz und Rebekka die Agenturen in d
Die «rec.»-Reporterinnen Anna Kreidler und Viktoria Kuttenberger besuchen Alona und Longin Ziegler in Zürich. Alonas Schwester ist im neunten Monat schwanger und versteckt sich in einem Bunker in Charkiw, nahe der russischen Grenze. Sie hat Angst, das Kind unter diesen Umständen zur Welt bringen zu müssen. Einen Ausweg aus der Stadt scheint es nicht zu geben. Doch dann gibt es urplötzlich doch noch Hoffnung auf ein Wiedersehen der beiden Schwestern und eine Geburt fern des Kriegsgeschehens in Sicherheit. Eine ähnliche Situation trifft «rec.»-Reporterin Caro Beck im thurgauischen Schlatt an. Nataliia Sorokopud bangt seit Tagen, dass es ihre Eltern unversehrt an die ukrainisch-rumänische Grenze schaffen, wo ihr Ehemann die beiden in Empfang nimmt. «rec.» durfte die Familien in dieser schwierigen Situation begleiten und hat die Bemühungen um eine Wiedervereinigung dokumentiert.
Viele Eisbader:innen weltweit sind inspiriert von Wim Hof – einem Extremsportler, der ganze zwei Stunden im Eiswasser verharren kann. Mit diesem Weltrekord möchte er Menschen anregen, ihre Grenzen neu zu definieren. Seine Botschaft: Du bist zu mehr fähig, als du glaubst. Möglich sei dies durch seine Methode: Eine Kombination von Kälte-Exposition, Atemübungen und dem richtigen Mind-Set. Wende man die Methode regelmässig an, lebe man gesünder und könne Krankheiten vorbeugen, verspricht der Niederländer Wim Hof. Auch der Musiker und Produzent Dodo schwört auf die Methode. Seit vier Jahren duscht er täglich kalt oder nimmt ein Eisbad: «Mir hilft die Wim Hof Methode besser mit Stress zu dealen und ich bin dadurch auch viel weniger krank», sagt er überzeugt. Reporter Simon Reinker trifft den Zürcher auf ein kühles Bad im Katzensee und spricht dabei über die Motivation den inneren «Schweinehund» zu überwinden. Das Bad im strömenden Regen oder den Gang barfuss über Schnee und Eis sind für den
rec.-Reporterin Anna Kreidler zeigt auf, wie betrügerische Inserate funktionieren und was es bedeutet, wenn man darauf reinfällt. Sie begleitet drei junge Frauen auf ihrer Wohnungssuche in Zürich. Sie sind zwar schon in Kontakt mit betrügerischen Inseraten gekommen, haben aber nie Geld überwiesen. Anders Emily. Die junge Frau ist bei der Wohnungssuche online auf ihre Traumwohnung gestossen und überwies CHF 1’880 an die vermeintliche Vermieterin. Die Wohnung hat Emily nie zu Gesicht bekommen; das Geld ist weg. 180 Anzeigen gingen im Jahr 2020 wegen solcher Betrugsmaschen bei der Kantonspolizei Zürich ein. Grosse und kleine Immobilienplattformen kennen das Problem. Wie lässt es sich lösen? Und wer steckt hinter solchen Scam-Mails? Spurensuche im Wohnungsmarkt.
Donat trifft die Waldmenschen im Februar bei Wind und Wetter in ihrem Zeltlager im Bremgartenwald. Am Feuer erzählen drei der fünf Männer, wie sie trotz Kälte gesund bleiben. Donat, selber schon drei Mal erkältet in diesem Winter, wird ein erstes Mal überrascht. Und will es genauer wissen. Bald wird klar, die Aussteiger haben ganz andere Sorgen als die Kälte. Urs hat seit Kurzem seinen Anspruch auf Sozialhilfe verloren. Es ist die Folge seines langjährigen “Behördentraumas”, wie der 56-jährige erzählt. Die Auflagen und Fristen, welche ihm als Sozialhilfebezüger auferlegt sind, lösen bei ihm eine psychische Blockade aus. “Es ist nicht lustig als Obdachloser alle drei Monate zu bestätigen, dass ich kein Haus und kein Boot besitze.” Seit letztem Sommer lebt ein neuer Mitbewohner in der Wald-WG, Simon Bättig. Der 37-jährige wurde wegen eines Burnouts und einer Game-Sucht aus der Bahn geworfen. Weil ihm verschiedene Sozialinstitutionen nicht wie gewünscht helfen konnten, hat er sich für die
Wir begleiten eine Urbexerin auf ein Abenteuer. Sie sei während einer Entdeckungstour eines alten Hauses bereits durch die Decke gefallen, weil der Boden instabil war. Auch wenn es gefährlich ist: die Vergänglichkeit und der Zerfall der Orte, die sie besucht, fasziniert sie sehr, wie sie erzählt. Auch rec.-Reporter Livio Chistell kann diese Faszination verstehen. Zusammen mit der Urbexerin, welche schon seit Jahren dieses Hobby ausführt, besucht er eine verlassene Bäckerei. Persönliche Gegenstände - von der Lesebrille bis zur Unterhose – liegen seit Jahren unberührt im Haus. Ein schlechtes Gewissen, dass sie in eine Privatsphäre eindringen, haben die Urban Explorer nicht. Trotzdem begegnen sie den Orten und Gegenständen mit Respekt. Dies besagt der Urbex-Kodex, der auf verschiedenen Foren und Blogs zu finden ist. Auch ein wichtiger Punkt in diesem Kodex: Die Lost Places sollen geheim bleiben, und nicht mit der Öffentlichkeit geteilt werden. Die Urbexerin, welche wir begleiten, hält sic
Die Verschwörungserzählung handelt von vernetzten, satanistischen Zirkeln, die im Untergrund in blutrünstigen Ritualen Menschen, insbesondere Kinder, quälen, missbrauchen und sogar aufessen. In der Schweiz, wie auch international, konnten bis heute keine gemeldeten Fälle der satanistischen, rituellen Gewalt aufgeklärt werden – es fehlen jegliche Beweise. Trotzdem verbreitet sich die Satanic Panic in der Schweiz. Nun zeigen Recherchen von «Rec.»: Das Problem ist grösser als bisher bekannt. Die Verschwörungserzählung «Rituelle Gewalt/Mind Control» fliesst bei gewissen Psychotherapeut:innen offenbar in die Behandlung ihrer Patient:innen ein. Vier verschiedene Quellen haben glaubwürdig und unabhängig voneinander berichtet, dass sie in der Traumastation der Klinik Littenheid in Berührung gekommen seien. Der renommierte forensische Psychiater, Frank Urbaniok, hat sich die Fälle angeschaut und kommt zum Schluss: «Man muss zur Klinik Littenheid sagen: Da gibt es hervorragende Therapeuten, die
Caro Beck macht sich auf die Suche nach Menschen, die Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat – wie Ritalin – missbrauchen. Während Caro Beck selbst das populäre ADHS-Medikament Ritalin aufgrund ihrer diagnostizierten Schlafkrankheit verschrieben bekommt, hoffen andere, damit ihre Leistung pushen zu können. Ein Risiko, denn die missbräuchliche Einnahme von Ritalin kann gesundheitliche Folgen haben. Von Angstzuständen, über psychische Abhängigkeit bis zum plötzlichen Tod. Wobei die leistungssteigernde Wirkung bei Gesunden unter Medizinern äusserst umstritten ist. Während der Recherche steht Caro im Kontakt mit Leuten, die Ritalin zur Leistungssteigerung konsumieren. Häufig sind es Studentinnen und Studenten. Aber nur die wenigsten wollen über ihren Missbrauch reden. Eine Bekannte von Caro tut es aber und chattet mit ihr per WhatsApp. Auch hat Caro Kontakt mit Personen, bei denen ADHS diagnostiziert wurde und die ihre Medikamente teuer verkaufen. Bis zu 20 Franken für so eine Tablet
Manuel* (*Name geändert) sprach viele Jahre nicht über den sexuellen Missbrauch, den ihm sein Lehrmeister schon in jungen Jahren angetan hat. Er konnte mit niemandem darüber reden. Erst Jahre später erzählt er es dem Hausarzt und es kommt zu einer Anzeige. Seinen Vergewaltiger konnte Manuel wegen sexueller Nötigung und sexueller Handlung mit Abhängigen anzeigen. «Es war nie Rache, denn dann würde es um ihn gehen. Es ging mir um Gerechtigkeit.» Doch inzwischen sind einige Tatbestände bereits verjährt. Aktuell definiert das Schweizer Recht den Begriff der Vergewaltigung so, dass es Männer ausschliesst. Dies soll aber bei der Revision des Sexualstrafrechts dieses Jahr geändert werden. Im Alter von 18 Jahren wurde Luca Russo bei einem Casting von einem Modelagenten sexuell genötigt. In dieser Reportage spricht er über die Tat, wie er sich danach gefühlt hat und, dass es ihm, nachdem er mit seiner Familie darüber gesprochen hat, viel besser geht. Mit seiner jetzigen Freundin hat er früh das
Einige rechtliche Wege stehen Betroffenen dennoch offen. rec.-Reporterinnen Anna Kreidler und Loredana Di Fronzo wollen herausfinden, wie Betroffene gegen Stalking vorgehen können und merken, dass sich die nötigen Schritte und Abklärungen für diese oft als Odyssee erweisen – ohne Garantie auf einen positiven Ausgang. Igor wird seit 25 Jahren von einer Frau belästigt. Der Grund: Nachdem er ihren Kindern in den neunziger Jahren Nachhilfeunterricht gab, will sie eine besondere Verbindung zu ihm gespürt haben. Seitdem sucht sie den Kontakt zu ihm. Doch ist das Stalking oder einfach mühsames Verhalten? Juristin Sine Selman schätzt den Grauzonen-Fall ein. Sandras* Stalker hingegen hat die Grenze zum Graubereich überschritten. Die Belästigungen begannen, als sie 17 Jahre alt war. Mit insgesamt acht Facebook-Profilen terrorisierte ein fremder Mann Sandra über vier Jahre hinweg. Unterstützung fand sie bei der Opferberatung Aargau – doch mit dem Urteil gegen den Täter ist sie bis heute nicht zuf
Der 30 jährige Remo aus Zürich ist seit drei Jahren HIV-positiv. Obwohl er dank erfolgreicher Behandlung nicht ansteckend ist und dieselbe Lebenserwartung hat wie Menschen ohne HIV, sei das Stigma gegenüber HIV-Positiven spürbar, sagt er. Geprägt von den Bildern der 80er- und 90er Jahren seien immer noch falsche Vorstellungen und Vorurteile in den Köpfen der Leute. Er müsse immer wieder erklären, dass er nicht ansteckbar sei: «Viele Leute sind einfach zu wenig gut aufgeklärt.» Eine komplett andere Perspektive hatte Michèle nach der HIV-Diagnose. Im Jahr 1994 hat sie sich mit der Geschlechtskrankheit infiziert und hatte damals eine Lebenserwartung von fünf, vielleicht 7 Jahren. Ohne medikamentöse Behandlung endet HIV in den meisten Fällen in AIDS. In diesem Endstadium der Krankheit ist das Immunsystem so stark beeinträchtigt, dass es lebensbedrohliche Krankheiten nicht mehr verhindern kann. Michèle musste sich vor 25 Jahren mit ihrem und dem Tod anderer beschäftigen: «Damals war es ein
Vanlife ist ein Lebensmodell, das Freiheit, Unabhängigkeit, Nähe zur Natur und den Ausstieg aus dem 9-to-5-Hamsterrad verspricht. So auf jeden Fall wird es auf Social Media präsentiert. Doch ist das Leben auf vier Rädern so easy und unbeschwert wie es scheint? Reporter Livio hat seine Zweifel als er einen Van für die nächsten Tage mietet und mit Domenica Egli das «Vanlife» ausprobiert. Er liebt Struktur und auf einen gewissen Komfort kann er nur schwer verzichten. Die 27-jährige Thurgauerin hingegen hat keine eigene Wohnung, keinen fixen Job und gestaltet ihr Leben so frei wie möglich. Während Livio und Domenica auf Stellplatzsuche sind für die Nacht, besprechen sie die Vor- und Nachteile eines Lebens ausserhalb vom Hamsterrad. Vor allem ein Wort kommt dabei oft vor: Verzicht. Verzicht auf Wohnraum, fliessend Wasser, Strom, auf finanzielle Sicherheit und sogar auf einen Teil des sozialen Umfeldes, weil man an den meisten Menschen im Hamsterrad vorbeilebt. Reporter Livio merkt auch, das
Reporter Robin Pickis besucht Erich Breitenmoser, der den grössten privaten Bunker in der Schweiz besitzt und lässt sich von ihm durch seine Festung führen. Die Bunkeranlage besteht aus 195 Räumen mit 30’000 Quadratmeter brauchbarer Fläche, einem eigenen Wasserreservoir von 1,8 Millionen Liter Wasser und acht Kilometer Gängen. Wo früher 600 Soldaten sechs Monate überleben konnten, vermietet Breitenmoser heute seine Räume für Kryptomining, Server oder Experimente der ETH Zürich. Bunker, wie jener von Erich Breitenmoser, werden vom Militär an Privatpersonen verkauft und für neue Zwecke genutzt. Alex Lussi beispielsweise züchtet in 13 einzelnen Bunkern Pilze. Die meisten Militärbauten sind in der Schweiz jedoch stillgelegt worden und können wegen raumplanerischer Einschränkungen nicht umgenutzt werden. So stehen nun zahlreiche kuriose Bunker als Zeitzeugen vom Krieg im Land. Erstpublikation 23. August 2022
Jessica hat eine medizinische Odyssee hinter sich. Niemand konnte sich die Ursache ihrer starken Unterleibsschmerzen erklären. Erst nach hartnäckigem Nachfragen und viel Eigeninitiative wird sie zum Endometriose-Spezialisten überwiesen und erhält endlich eine Diagnose: Endometriose. Nach langem hin und her entscheidet Jessica sich für eine Operation, die Besserung verspricht. Doch jetzt, ein halbes Jahr nach der OP, sind die Schmerzen zurück. Jessica entscheidet sich, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. In der Selbsthilfegruppe trifft sie auf Jana Schmid, Patricia Corona und Livia Peter. Mit ihren Leidensgenossinnen tauscht sie sich aus und erhält wertvolle Tipps und Tricks. Schnell zeigt sich jedoch, dass alle vier Frauen eins verbindet: Sie wurden lange nicht ernstgenommen. Dieselbe Erfahrung musste auch Désirée Gediga machen. Drei Operationen liegen bereits hinter ihr. Nach der dritten Operation geht es ihr relativ gut – aber wie lange? Erstpublikation 20.09.2022
Yoga ist zu einem Milliardengeschäft geworden. Mit dem Trend kommen immer mehr Variationen auf, die von Stand-up Paddle-Yoga bis hin zu Hundewelpen-Yoga reichen. Das stösst Sofika Yogarasa sauer auf. Sie besucht eine Lektion «Bier-Yoga» und Yoga mit Alpakas und will herausfinden, was dies noch mit der traditionellen indischen Lehre zu tun hat. «Beim klassischen Yoga gibt es den Spassfaktor nicht, aber das haben wir im Bier-Yoga schon!», meint die diplomierte Fitnessinstruktorin Angie Küng. Solche Aussagen machen die Reporterin traurig und sie versteht, warum man in solchen Fällen von kultureller Aneignung spricht. Auf der Ferieninsel Bali trifft Sofika einen Guru, der klare Worte dafür findet. «Bier-Yoga hat gar nichts mit Yoga zu tun», meint er und schmunzelt. «Yoga ist eine Lebensphilosophie», erläutert er weiter. Auch Yogalehrer Edwin Tan ist der gleichen Meinung. Er unterrichtet in Ubud, dem Yoga-Hotspot von Bali, Natasha. Sie hatte jahrelang ein falsches Bild von Yoga. Sie ging da
Der 11-jährige Elia besucht in Splügen die 5. Primarklasse. Sein Schulweg führt durch das Wolfsgebiet eines Rudels, welches bereits einige Probleme in der Region verursachte und Angst verbreitet, weil es immer wieder in Siedlungsnähe gesichtet wird. Auch Elia ist dem Wolf bereits begegnet. Mutter Sabina hat ein mulmiges Gefühl, wenn ihr Sohn das Haus verlässt. Bäuerin Nora Schötz holt in diesem Jahr ihre Schafe verfrüht von der Alp. Der Wolf hat mehrere Schafe ihrer Herde gerissen. Für sie ist das emotional sehr schwierig. Neben der Trauer verspürt sie auch Wut auf den Wolf, der selbst vor den Tieren auf den Weiden neben dem Dorf nicht Halt macht. Die Zunahme der Wolfsrudel macht den Alphirtinnen und Alphirten zu schaffen. Alphirtin Noomi Nef hat diesen Sommer auf einer Schafsalp oberhalb von Klosters verbracht. Mehrere Schafe wurden von Wölfen getötet oder schwer verletzt. Die verletzten Tiere musste sie entweder medizinisch behandeln oder gar selber erschiessen. Der Job ist wegen des
«Wir müssen alle CO2-freien Lösungen kombinieren und da gehören neue AKWs dazu», meint Nuklear-Expertin Annalisa Manera. Die jüngste Generation AKWs, die zurzeit in den USA gebaut würden, seien laut Manera sehr attraktiv. «Die neuen AKWs generieren weniger radioaktiven Abfall als die Modelle, die in der Schweiz zurzeit in Betrieb sind.» Doch: Das Schweizer Stimmvolk hat 2016 für den Atomausstieg und somit indirekt gegen den Neubau von AKWs gestimmt. Die bestehenden Kernkraftwerke werden bis 2050 schrittweise abgestellt. «Gut so!» AKW-Gegner Peter Scholer besetzte bereits 1975 das Gelände in der Nähe von Kaiseraugst, auf dem ein AKW geplant gewesen wäre. «Es gibt sauberere und sicherere Lösungen für die Schweiz – ohne Atommüll.» Scholer sieht die Lösung im Ausbau der erneuerbaren Energien. Genauso wie Greenpeace-Aktivistin Zoë Roth: «Träume von neuen, grünen Kernkraftwerken stehen einer nachhaltigen Lösung enorm im Weg.» Reporter Simon Reinker hat mit Befürworterinnen und Gegnern gespro
«Wir sind alle randständig und haben hier einen Raum für uns gefunden», erzählt Tom, der einen Grossteil seiner Zeit in dieser Garage verbringt. Nachdem er bei einem Autounfall seine schwangere Frau verloren hatte, ist er in die Sucht gerutscht. Zwar nimmt der Arbeitslose keine harten Drogen mehr; er ist aber weiterhin alkoholsüchtig und arbeitsunfähig. Auch Anna ist dem Alkohol verfallen. Die Garage ist auch ihr Lebensmittelpunkt. «Als Frischgeborenes machte ich bereits einen Methadon-Entzug.» Mobbing in der Schule, der Tod ihres Freundes und ihrer besten Freundin – Anna betäubte ihre Gefühle mit Rauschmitteln. Mittlerweile ist sie «nur» noch vom Alkohol abhängig. «Ich war mal bei vier Liter Wodka pro Tag, heute ist es noch einer.» Die Garage wird vom Verein «Checkpunkt» unterhalten. Vereinsmitglieder sind vorwiegend jene Menschen, die den Raum auch nutzen. Davor versammelten sie sich auf der Strasse, sehr zum Ärger der Anwohnenden und der Stadt Burgdorf. Die «rec.»-Reportage zeigt au
Um seinen ökologischen Fussabdruck möglichst klein zu halten, radelt der Klimajournalist vom Hotel zur Konferenz durch die Wüste. Gemeinsam mit Franz Perrez, dem Leiter der Schweizer Delegation am Klimagipfel. Perrez' Verhandlungs-Ziel: die 1,5-Grad-Begrenzung der Erderwärmung. Dafür hetzt der Schweizer Botschafter für Umwelt von Verhandlung zu Verhandlung. In ähnlicher Mission ist Bea Albermann unterwegs. Die junge Schweizer Ärztin kämpft gemeinsam mit anderen Arztkolleginnen und -kollegen fürs Klima. Vor Ort trifft sie auf den US-Sondergesandten fürs Klima John Kerry und Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Unter Tränen fleht Bea Albermann sie an, fürs Klima einzustehen: «Wir Jungen sind hier, um unsere Leben zu schützen. Wir sind traurig und wütend.» Wie kommen solche Botschaften an? Was nützen all die Gespräche, Verhandlungen und Veranstaltungen vor Ort? Macht sich am Ende die grosse Ernüchterung breit oder bleibt ein Hoffnungsschimmer? Nach fünf Tagen und einem Blick hinter die Kuliss
Bela und Ramon sind Bodybuilder und pumpen deshalb fast jeden Tag. Ihr Körper ist ihr Kapital – die beiden Wirtschaftsstudenten bauen sich mit dem Pumpen ein Business auf. Das Training habe aber auch unschöne Seiten, so blieben zum Beispiel soziale Kontakte auf der Strecke. Auch Daniel verzichtet für den Sport auf Kontakt mit Freundinnen und Freunden – stattdessen trainiert er in seinem Keller, den er zu einem Fitness umfunktioniert hat. Früher hat er sich Testosteron gespritzt, um bessere Leistungen zu erzielen. Er erzählt vom Erbrechen nach dem Training und Blut im Urin. Auf die Frage hin, ob das gesund sei, zitiert er Berthold Brecht: «Der grosse Sport fängt da an, wo er längst aufgehört hat, gesund zu sein.» Anna trifft den Psychologen Roland Müller – auch er ist Teil der Fitnessszene und kennt sich mit Körperbildstörungen aus. An einer sogenannten Muskelsucht litten vor allem Männer. Betroffene würden ihren Körper als unzureichend empfinden und sich in ihrem Leben immer weiter ein
Als Miras Eltern sich trennten, war sie bereits 19 Jahre alt. Trotzdem nagt die Trennung an ihr. Sie hat damit zu kämpfen, dass die Familienkonstellation nicht mehr so ist, wie früher. Auch hinterlässt die elterliche Trennung Spuren, gerade auch, was die eigene Partnerschaft anbelangt: «Ich habe hohe Ansprüche und erwarte, dass man an der Beziehung arbeitet.» Ähnlich sieht es Dominik. Seine Eltern liessen sich scheiden, als er ein Kind war. Die Auflösung der gewohnten Familienstruktur löste Verlustängste in ihm aus. Mittels Therapie arbeitet er an sich und seinen Beziehungsmustern. Yaël und Daniel wollen demnächst heiraten. Obwohl beide Scheidungskinder sind, haben sie den Glauben an die ewige Liebe nicht verloren. Die Erfahrung der Eltern hat sie dennoch geprägt: «In unserer Beziehung wollen wir Probleme stets benennen und ausdiskutieren können.»
Leonies Fall zeigt auf, dass sich nicht nur Therapeutinnen und Ärzte in der Verschwörungserzählung verloren haben, sondern auch die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB), Polizei und Staatsanwaltschaft. Die satanistische rituelle Gewalt wurde von Leonies Behandler:innen und involvierten Behörden als real existierende Gefahr angesehen, vor der man die 28-Jährige schützen musse. Doch in der Realität gibt es keine Beweise für eine solche Täterschaft. Leonie wird als Jugendliche psychisch krank. Nach mehreren erfolglosen Psychotherapien wird ihr geraten, eine Traumatherapeutin aufzusuchen. Bereits nach wenigen Sitzungen stellt die neue Therapeutin eine Diagnose: «Dissoziative Identitätsstörung». Leonies Persönlichkeit sei aufgrund eines schweren Traumas in der Kindheit in verschiedene Anteile aufgespalten. Das Trauma, das diese psychische Erkrankung ausgelöst haben soll, sieht die Traumatherapeutin im rituellen Missbrauch: Leonie könne sich nicht an die schrecklichen Taten erinnern,
Die 24-jährige Anna landet aufgrund einer fortgeschrittenen Leberzirrhose im Spital. Nach jahrelangem starken Alkoholkonsum macht ihr Körper nicht mehr mit. Im Spital macht Anna ungewollt einen Entzug durch und ist plötzlich nüchtern. Zwar sieht sie ein, dass ein Alkoholverzicht für ihre Gesundheit am besten wäre, gleichzeitig hat sie aber auch Bedenken: «Es ist dann einfach nicht mehr dasselbe.» Der 55-jährige Tom hat nach 16 Jahren Beziehung seinen Hund verloren. Seither leidet er an Selbstmordgedanken. Schon zweimal hat er versucht, sich mit einer Drogen-Überdosis das Leben zu nehmen. «Manchmal bereue ich, dass ich noch da bin.» Letzte Hoffnung auf einen Funken Glück wäre für Tom ein neuer Hund als Weggefährte. «rec.»-Reporter Donat Hofer begleitet Anna und Tom auf ihrer Suche nach einem Lebenssinn. Dabei lernt er auch, eine Bekannte der beiden, Sandra, kennen. Sie hat den schwierigen Ausstieg aus der Sucht geschafft und zeigt auf, dass eine glückliche Wendung jederzeit möglich ist.
Das Verweilen in kompletter Dunkelheit soll zu tiefer Selbsterkenntnis führen und die Teilnehmenden durch den Entzug jeglicher visuellen Reize auf eine Reise zu sich selbst schicken. So zumindest preist Corinna Ehling das Dunkelretreat an, das sie leitet: «Wenn alle Reize wegfallen, ist man ganz bei sich.» Für das Experiment müsse man psychisch und körperlich gesund sein, denn ganz ungefährlich sei es nicht, sagt der Psychotherapeut Arnold Wittwer. «Da das Gehirn keinen Input von aussen erhält, generiert es selbst welchen. Sie werden Halluzinationen haben», warnt Wittwer den «rec.»-Reporter. Das Dunkelretreat findet in einem abgelegenen Seminarhaus im Kanton Appenzell statt. Robin kriegt ein Zimmer mit Toilette und Dusche. Die Fenster sind abgeklebt, kein Lichtstrahl dringt herein. Morgens und abends findet er eine Mahlzeit vor seiner Zimmertür. Die Monotonie des Nichtstuns und die Orientierungslosigkeit im Raum stellen anfänglich die grössten Herausforderungen für Robin dar. Und wie v
Seit zehn Jahren ist Mirja Zimmermann Pfarrerin in Sumiswald im Emmental. Sie spricht nicht nur in der Kirche über Gott, sondern auch auf Social Media. Zum Pfarrer:in-Sein gehöre auch der Dialog mit den Menschen und der finde heutzutage eben auch digital statt, meint sie. Mirja Zimmermann ist jedoch nur in ihrer Freizeit Influencerin für ihre Kirche. Das möchte sie ändern. Die Dorfpfarrerin ist überzeugt, dass die Nachricht Gottes auf Instagram und Co. ihren Platz hat. Im Gegensatz zu den religiösen Influencern aus frommen Freikirchen, ist es für die reformierte Pfarrerin Mirja Zimmermann schwierig, viele Menschen zu erreichen. Denn, so erklärt die Expertin für religiöse Influencer:innen Sabrina Müller: «Die Freikirchen haben das Potential von Social Media früher erkennt und wissen bereits, wie man damit viele Leute erreichen kann.» Maimouna Ahmed ist eines der Gesichter auf den Social-Media-Kanälen vom Islamischen Zentralrat Schweiz. 10’000 Follower hat der Account auf Instagram. Der
Um die Situation einer Empfängerin zu verstehen, trifft er Zora. Die 24-Jährige erkrankte an Leukämie und war froh, als für sie eine passende Spenderin gefunden wurde: «Es war einfach schön zu hören, dass es irgendwo auf der Welt jemanden gibt, der mir helfen will.» Dank der Spende geht es ihr heute gesundheitlich wieder so gut, dass sie ihrer Leidenschaft, dem Eiskunstlaufen, wieder nachgehen kann. Im Vorfeld seiner Spende muss sich Christoph selbst Wachstumsfaktoren spritzen. Diese fördern die Stammzellproduktion, verursachen aber auch unangenehme Nebenwirkungen. Nach vier anstrengenden Tagen ist es so weit: Christophs Spende beginnt und er darf hoffen, mit seinem Einsatz Leben zu retten. Erstpublikation am 7. März 2023
Der erblich bedingte Haarausfall ist die häufigste Form der Alopezie; sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Die Haare im Scheitelbereich lichten sich allmählich. Vor allem bei weiblichen Betroffenen ist dies mit viel Scham behaftet. Die meisten versuchen mit viel Aufwand, den vermeintlichen Makel zu verbergen. «Diesen Druck, den ich mir gemacht habe – Wahnsinn!» Nadine, die ebenfalls Haarausfall hat, empfand dieses ewige Kaschieren als grosse Belastung. Als Befreiungsschlag rasierte sie sich die Haare ab und zeigt sich mittlerweile stolz «oben ohne». Das will auch die «rec.»-Reporterin Corina Destraz schon seit längerer Zeit. Sie wagt den Schritt. Eine emotionale Reise beginnt – die Konfrontation mit dem eigenen Spiegelbild, aber auch die Reaktionen ihres eigenen Umfelds. Erstpublikation: 21. März 2023
Ozempic ist ein Medikament, das ursprünglich für Diabetikerinnen und Diabetiker entwickelt wurde, unterdessen wird es auch zur Gewichtsreduktion eingesetzt. Der Wirkstoff soll das Hungergefühl reduzieren und die Insulinproduktion fördern. Die Konsequenz: schneller Gewichtsverlust. Jenny nimmt pro Woche etwa ein Kilogramm mit der Spritze ab und dokumentiert ihre Fortschritte auf TikTok. Dort bekommt sie auch Gegenwind aus der Community, sie sei faul und undiszipliniert, die Spritze eine einfache Lösung. Jenny hat ihr ganzen Leben lang gegen ihr Gewicht angekämpft, mit Diäten und Sport – einer Essstörung entkam sie nur knapp. Für sie bedeutet die Spritze Freiheit: «Endlich kann ich essen, was ich möchte und muss nicht immer an mein Gewicht denken.» Elena (Name geändert) hat weniger gute Erfahrungen mit dem Medikament gemacht. Als sie Anfang 2022 mit der Therapie begann, musste sie sich täglich übergeben. «Diese Spritze ist kein Wundermittel», sagt sie im Gespräch. Und trotzdem sei das Me
Beim Freeriden abseits der Piste fährt die potenzielle Gefahr eines Lawinenunglücks oder eines tödlichen Sturzes immer mit. Jeden Winter sterben in der Schweiz durchschnittlich zwanzig Schneesportlerinnen und Schneesportler in einer Lawine. Der Profisportler Sam Anthamatten hat in all den Jahren auch Freunde in den Bergen verloren und musste sich schon selbst aus Lawinen retten. Das erzählt der Walliser während der zweitätigen Skitour mit Reporter Matthias Lüscher. Als Bergführer und Mitglied der Bergrettung Zermatt kennt Sam die unschönen Seiten der Berge zu gut: «Wenn du den Tod mal gesehen hast, denkst du anders darüber», sagt er. Trotz dieser Schicksale, die er hautnah miterlebte, hält ihn nichts davon ab, weiter in die Berge zu gehen und steile und riskante Wände zu fahren: «Wenn ich einen Fehler mache, ist die Konsequenz der Tod, das bin ich mir bewusst». Vor ein paar Monaten ist Sam Vater geworden. In seiner neuen Rolle sieht er sich auch in einer neuen Verantwortung. Auch «rec.
Rec.-Reporterin Sofika Yogarasa trifft Moritz Rolli an seinem neuen Arbeitsplatz, einem Coiffeur und Jasmina Robl bei einem Mittagsspaziergang. Beiden geht es nach dem Jobwechsel psychisch und auch körperlich viel besser. «Heute freue ich mich zur Arbeit zu gehen und kann wieder lachen», erzählt Moritz. Er hat nach elf Jahren seine Stelle als Pflegefachmann gekündigt, weil er zu wenig Zeit für seine Patient:innen hatte. Das setzte ihn moralisch unter Druck. Gerne hätte er sich mehr Zeit genommen, um mit den alten Menschen Gespräche zu führen oder ihnen Essen zu geben. «Moral Distress» - moralischer Stress erlebt eine Person, wenn äussere Faktoren sie davon abhalten, das zu tun, was sie für richtig hält. Jasmina Robl ging es so. Sie verliess den Beruf nach über 20 Jahren. Ausschlaggebend war ein Erlebnis, bei dem ein Säugling fast gestorben wäre: «Ich hatte einfach das Gefühl, es sei mein Verschulden, auch wenn mir bewusst ist, dass es nicht so ist.» Alessa Cremer arbeitet als Pflegefac
Der erste Tag beginnt um 03.15 Uhr. Die Familie von «rec.»-Reporterin Elma Softic steht auf, um sich noch vor dem Fastenbeginn mit einem Frühstück zu stärken. Danach gilt bis die Sonne untergeht, Ess-, Trink- und Sexverbot. Was für viele nach einem Monat voller Hunger und Qual scheint, ist für Muslime und Muslimas eine Zeit der Besinnung. Doch das Fasten in einem christlich geprägten Land ist nicht immer einfach. Man ist konfrontiert mit Herausforderungen im Alltag – besonders im Arbeitsalltag müssen sich Muslime und Musliminnen für das Fasten am Arbeitsplatz häufig rechtfertigen. In der Shishabar «Hera» trifft sich Elma Softic mit ihren Freunden Nadir Spahic und Salim Nasseri. Salim kommt ursprünglich aus Afghanistan. Das Fasten in der Schweiz ist für ihn einsam, da seine Familie nicht hier, sondern in seinem Heimatsland ist. Auch die unterschiedlichen Fastenzeiten machen ihm zu schaffen – die Fastentage sind in der Schweiz nämlich länger als in Afghanistan. Anders bei Nadir Spahic –
Indien ist eines der Länder, das besonders viel Mica exportiert. Und die Hilfsorganisation Terre des Hommes schätzte vor einigen Jahren, dass in der besonders Mica-reichen und gleichzeitig sehr armen Region in den Bundesstaaten Jharkhand und Bihar rund 22’000 Kinder Mica sammeln. Anne-Sophie reist in diese Gegend und macht sich auf die Suche nach Mica-Minen. Dabei trifft sie unter anderem auf die zehnjährige Mica-Sammlerin Nauri, die sagt, dass sie lieber zur Schule gehe, als in der Mine zu arbeiten. Und dann wird sie noch in eine riesengrosse illegale Mine eingeladen, wo Kinder mit ihren Eltern arbeiten. Anne-Sophie spricht auch mit Mica-Händlern und lernt, dass Mica-Lieferketten nicht immer einfach nachverfolgbar sind. Was tun Schweizer und internationale Firmen angesichts dieser schwierigen Situation? Und was tun sie, damit ihr Mica nicht von Kindern gesammelt wurde? Mehrere Firmen erklären Anne-Sophie, dass sie einen Verhaltenskodex für ihre Lieferanten haben. Aber überprüfen sie a
«rec.»-Reporter Samuel Konrad will wissen, was hinter dem Hype steckt und startet seine Spurensuche da, wo er die Praxis selbst antrifft: im Ausgang von Zürich, der Partyszene. Schnell wird jedoch klar, dass die Microdosing-Selbstversuche zur Leistungssteigerung oft auch im Alltag stattfinden: Die Psychologiestudentin Rea (Name geändert) verwendet die Substanz zum Lernen, die 43-jährige Kulturredakteurin Sarah (Name geändert) zur Entspannung. «Die Neugier zur Substanz und Praxis war riesig,» erzählt Sarah, «gerade bei meinen Kolleginnen – notabene alles Frauen über 40. Weil Microdosing so harmlos erscheint.» «Wer einmal hinter den Vorhang geschaut hat, kann Mühe haben, sich wieder im Alltag zurecht zu finden,» sagt hingegen Felix Scholkmann. Der Neurowissenschaftler hat als Proband an einer LSD-Studie in Basel teilgenommen und beschreibt Nahtod-ähnliche Erlebnisse bei Makrodosen: «Ich war der Fötus in der Placenta. Ich musste entscheiden, ob ich kämpfe oder loslasse.» Seine Erfahrungen
«Es hat mir den Boden unter den Füssen weggezogen», erzählt Reto, den man in der Berner Szene unter dem Namen SpeeDee kennt. Der Radiomoderator fühlt sich als Massnahmenkritiker von der Gesellschaft unverstanden und an den Rand gedrängt. Einst politisch engagiert, hat er in Medien und Politik kein Vertrauen mehr. «Seit der Pandemie werfe ich die Wahl- und Abstimmungsunterlagen direkt ins Altpapier.» Ganz anders Petra Burri. Erst die Pandemie liess sie politisch aktiv werden. Die Einführung der Maskenpflicht für Schulkinder ging ihr persönlich zu weit. Deshalb stand sie auf, um etwas dagegen zu tun – wie sie es mit ihren eigenen Worten umschreibt. Heute präsidiert sie Aufrecht Bern und hofft, die Corona-Protestbewegung bald im Nationalrat zu vertreten. Eine Massnahmenkritikerin, die keinen Groll im eigentlichen Sinne mit sich trägt, ist Simone Machado. Und das, obwohl die linke Politikerin in während der Pandemie viel Kritik aus den eigenen Reihen und sogar Ausschlüsse hinnehmen musste.
«rec.»-Reporter Simon Reinker hat einen Hund, Galeno. Dieser ist jung und süss, bringt sein Herrchen aber öfters ans Limit. Galeno verteidigt seine Spielsachen, beisst ins Sofa und gehorcht nicht – trotz Hundeschule und intensivem Training. Was tun? Der Reporter kontaktiert Verhaltensmedizinerin Maya Bräm. Die Tierärztin behandelt auffällige Tiere. Zum Beispiel Sina. Die rumänische Strassenhündin hat in der Schweiz einen Platz bei einer erfahrenen Hundehalterin gefunden. Aber die Hündin verkroch sich seither nur lustlos in einer Ecke. Die Verhaltensmedizinerin diagnostizierte Depressionen. Anti-Depressiva halfen. Auch bei Hündin Maya zeigen Psychopharmaka eine positive Wirkung. Sie wurde aus einem Tierheim adoptiert. Ihre neuen Besitzer hatten bisweilen mit Aggressionsproblemen zu kämpfen. Mehrmals musste sich die Halterin wegen Bisswunden im Spital behandeln lassen. Dank der Kombination von Arzneimitteln und Therapie ist der Umgang mit der Hündin entspannter geworden. Laut Tierschutzo
Es ist sechs Uhr in der Früh als Viktoria bei Michaela Müller daheim zu filmen beginnt. Die Sozialarbeiterin ist schon länger wach. An einem Bürotag muss sie früh los, um ihre kleine Tochter vor der Arbeit in die Kita zu bringen. Mit ihrem sechzig Prozent-Pensum ist Michaela zwar glücklich, dennoch: Schlechtes Gewissen, Stress und wenig Planbarkeit setzen die junge Mutter unter Druck. Mit Kristina Tschuor trifft Viktoria eine Mutter, die zu hundert Prozent erwerbstätig ist, während ihr Mann die Kinder und den Haushalt managt. Der Preis: Oftmals sind die Kinder schon im Bett, wenn die gelernte Pflegefachfrau nach Hause kommt. Auch Jacqueline Krause-Blouin hat neben dem Muttersein zusätzlich im hundert Prozent-Pensum als Chefredaktorin der Zeitschrift Annabelle gearbeitet. Doch nach vier Jahren gibt sie diese leitende Position nun ab. «Ich wollte mir beweisen, dass es geht: Kind und Karriere – und bin an meinem eigenen Ideal der working Supermom gescheitert.»
Reporter Livio Chistell macht sich Gedanken, ob seine Work-Life-Balance die richtige ist und besucht Menschen bei ihrer Arbeit. Für die einen ist der Job ihre Passion und die Karriere steht über dem Privatleben. Für andere ist der Beruf bloss eine Geldquelle und die Freizeit wichtiger. «Ich lebe nicht zum Arbeiten, sondern ich arbeite, um zu leben.» Karolin Gächter erstellt Web-Content für eine Pflanzenfirma. Die Community schläft nicht, eine klare Trennung zwischen Arbeitszeit und Privatleben ist schwierig: «Wenn ich im Bus oder daheim noch arbeite, dann schreibe ich diese Arbeitszeit auf.» Anders handhabt es Benjamin Dietsche. Der junge Hotelmanager ist rund um die Uhr für seine Gäste und Mitarbeitenden da: «Wer Erfolg haben will, muss mehr arbeiten. Das ist so.» Dass er während der Hochsaison in einer Fernbeziehung lebt und Abstriche im Privatleben machen muss, nimmt Benjamin für die Karriere in Kauf. Reporter Livio Chistell versteht beide Seiten. Er brennt ebenfalls für seinen Job,
rec.-Reporter Matthias von Wartburg isst Fleisch, auch Poulet. Die eigenen Hühner, aber, würde er niemals verzehren. Auch wenn diese für ihn ganz klar Nutztiere sind. Das stellt ihn vor die Frage: Warum essen wir gewisse Tiere, andere aber nicht? Seine Suche nach einer Antwort führt den Reporter zu einer Hühnerhalterin, die ihre Lieblinge auch mal in die Wohnung lässt und einzelnen Hennen dank teurer Medikamente das kräftezehrende Eierlegen erspart. Zudem stösst Matthias auf seiner Recherche auf das Menu «Büsi-Rücken» und auf Menschen, die Pferde zwar lieben, ihre Wegbegleiter dennoch, ohne zu zögern, essen. Obwohl der Reporter im Schlachthaus an seine Grenzen kommt, beisst er auch danach noch in ein Roastbeef-Sandwich. Am Ende seiner Reporterreise hat Matthias schlüssige Antworten und einen anderen Umgang mit dem eigenen Fleischkonsum gefunden.
«Wenn Sie jetzt schwanger wären, dann würde ihr Kind aufgrund ihrer hohen Blutzuckerwerte mit Trisomie 21 zur Welt kommen.» Die Aussage ihrer Diabetes-Ärztin hat «rec.»-Reporterin Elma Softic nachhaltig geprägt. Es stellt sich die schwierige Frage: Würde ich abtreiben oder nicht?Eine Frage, mit der sich auch die Frauen auseinandergesetzt haben, die Elma für diese Reportage trifft. Rita hat sich schweren Herzens gegen ein Kind mit Trisomie 21 entschieden: «Mir fehlte die Kraft für eine solche Verantwortung.» Der Fötus ruht auf einem Gemeinschaftsgrab «für ganz Kleine». «Ich hoffe, die kleine Seele verzeiht mir.»Auch die zweifache Mutter Julia hat aus Angst vor Überforderung abgetrieben. Nicht einmal gegenüber ihrem näheren Umfeld traut sie sich, den Schwangerschaftsabbruch anzusprechen. Aus Scham und der Furcht vor einer Vorverurteilung. Dabei fände sie es befreiend, sich mit Betroffenen auszutauschen. «Laut der Statistik bin ich längst kein Einzelfall. Wo sind all die Frauen?»
Diese Frage diskutiert sie in der Reportage mit drei Paaren und merkt schnell, dass die Gründe fürs Heiraten oft sehr einfach sind. «Wir sind seit sechs Jahren zusammen und das ist der nächste logische Schritt für uns», erklären Simone und René aus dem Rheintal. Jenny und Rinku waren gerade mal ein halbes Jahr zusammen, bevor sie sich im Italienurlaub gegenseitig einen Antrag gemacht haben. «Wenn man jemanden gefunden hat, den man wirklich liebt, kann man das auch gegen aussen zeigen», sagt Jenny über ihre Partnerin. Aus Liebe heiraten – das leuchtet Anna ein, und trotzdem wird sie das Gefühl nicht los, dass die Ehe in unserer Gesellschaft zu viel Macht hat. Sie trifft Ruedi und Cassandra, die sich in einer Kapelle am Vierwaldstättersee das Ja-Wort geben und spricht mit ihnen über den Stellenwert der Ehe und ob sie sich erneuern muss, um bestehen zu können.
Erst kurz bevor «rec.»-Reporterin Sofika Yogarasa von daheim auszog, beichtete sie ihren Eltern ihr Vorhaben. In der tamilischen Kultur ist Ausziehen für Unverheiratete ein No-Go. Überraschenderweise haben ihre Eltern mit Verständnis reagiert. Anders erging es Evitta. Als die heute 26-Jährige in eine WG zog, brachen ihre Eltern den Kontakt zu ihr ab. «Ich war anfänglich sehr wütend.» Doch mittlerweile zeigen sich Vater und Mutter versöhnlich. «Unsere Kinder müssen sich für eine Kultur entscheiden, obwohl sie mit zwei Kulturen aufgewachsen sind. Das ist schwierig», meint der Vater. Auch Evitta hat den Eltern verziehen: «Ich habe Verständnis für sie. Die beiden kennen es aus Sri Lanka nicht anders.» Eine neue Heimat bedeutet nicht unbedingt, dass man die hiesige Kultur so einfach annehmen kann. Manche Eltern haben Mühe, kulturell-traditionelle Gepflogenheiten aus der ehemaligen Heimat loszulassen. Elodies Mutter stammt aus Portugal und tut sich schwer damit, dass ihre Tochter eine eigene
Ron nennt sich Ronson und trägt einen Bart. Zusammen mit anderen Frauen und Männern hat der Dachfenster-Monteur vor wenigen Stunden die Zelte eines Mittelaltermarktes errichtet. Nun stellt er vor den Augen der Besucher:innen Töpferware her, so wie es die Handwerker zu Wikingerzeiten taten. «Das ist weit mehr als bloss ein Hobby. Eigentlich würde ich gerne so leben wollen.» Zusammen mit seiner Freundin, die sich als Wikingerin Yrsa nennt, baut Ronson in Kroatien ein Haus. Dort will das Paar dereinst mittelalterlich leben. Die beiden gehören zur Gruppe Ungandir, einer living history-Gemeinschaft, die Interessierten einen möglichst wahrheitsgetreuen Einblick geben will, wie die Nordmänner und -frauen von einst lebten. Diese waren längst nicht nur blutrünstige Krieger und Kriegerinnen. Auch rec.-Reporter Simon lebt im Lager wie ein Wikinger, verzichtet auf Annehmlichkeiten wie sein Bett, die Warmwasserdusche, den Kühlschrank. Die Entschleunigung, das Naturerlebnis und das Gruppenleben gefa
In einem Wald im Kanton Bern trifft Robin die Mystery-YouTuber «Hangar18b». In ihrer Freizeit gehen sie paranormalen Phänomen nach. Die geheimnisvollen Gänge sind aus ihrer Sicht ein Indiz, dass Frühkulturen mehr konnten, als dokumentiert ist. Auch schliessen einige von ihnen nicht aus, dass die Stollen von Aliens geschaffen wurden. Ebenfalls bei der Exkursion dabei ist die 80-jährige Helen Wider. Seit zehn Jahren erforscht die pensionierte Gymnasiallehrerin die Geheimgänge unter der Erde. Doch auch sie steht vor einem Rätsel: «Ich weiss nicht, weshalb sie erbaut wurden. Aber es sind sicherlich keine Wasserstöllen.» So lautet nämlich die gängige Erklärung. Die Gänge hätten der Wasserversorgung gedient. Während seiner Recherche spricht Robin mit dem Berner Kantonsarchäologen Armand Baeriswyl und hofft, abschliessend eine Erklärung zu finden. Aber: So einfach ist das anscheinend nicht.
Ein Kuss-Skandal an der WM sorgt weltweit für Empörung. Der spanische Verbandspräsident küsst eine Spielerin anlässlich der Titelfeier ungefragt öffentlich auf den Mund. Die Diskussion um Machismo und toxische Männlichkeit ist erneut entfacht. Frauenhass im Netz nimmt zu und wird vom Bund neu als Gefahr für die innere Sicherheit eingestuft. Zeitgleich fungiert der umstrittene Influencer Andrew Tate für viele Jungs als Botschafter der Männlichkeit. Sia, Mitglied des Vereins „die Feministen“, beobachtet punkto Gleichberechtigung klar ein Backlash. Für Rafael Beetschen, hingegen, ist die Chancengleichheit grösstenteils erreicht und junge Männer werden von der Gesellschaft im Stich gelassen. Reporter Salim beleuchtet kritisch sein eigenes Rollenmuster und stellt sich die Frage: Wie toxisch ist meine Männlichkeit?
Er besucht die Ingenieure Beat Bircher und Raphael Duner auf der idyllischen Belalp im Wallis. Sie haben während vier Monaten ihrem Bürojob den Rücken gekehrt, um die Alp mit 75 Milchkühen, Schweine und Hühner zu schmeissen. Während hundert Tage am Stück arbeiten sie von vier Uhr morgens bis zum Sonnenuntergang. Die To-Do-Liste ist unendlich und der Tag voller Überraschungen. So müssen sie beispielsweise einer Kuh einen eingetretenen Stein herausoperieren – angeleitet von einem Youtube-Video. Sowohl Beat, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, als auch Raphael wussten, auf was sie sich einliessen. Trotzdem sind sie auf allen Ebenen gefordert. «Rein physisch kann man sich schon durchbeissen. Die Frage ist, ob man es mental aushält oder den Koller kriegt», sagt Beat. «Vielleicht ist es sogar besser, wenn man voher nicht genau weiss, was auf einen zukommt.»
Rahels Kinderzimmer lag direkt neben dem Schlachthof, die Schreie der Tiere waren nicht zu überhören – ein prägender Alptraum. Als Siebenjährige beschliesst sie, Vegetarierin zu werden und ist damit auf dem Land eine Exotin. Inzwischen führt Schulkollege Michael Hähni das Schlachthaus und die dazugehörige Metzgerei. Rahels Fleischverzicht kann er zwar nicht wirklich nachvollziehen, vegetarische Produkte führt er zeitgemäss trotzdem im Sortiment. Auch die örtliche Dorfbeiz serviert Gästen auf Anfrage eine fleischlose Menü-Variante, auf der Karte dominieren nach wie vor Schnitzel, Würste und Koteletts. Um die Umwelt und das Klima zu schützen, wird die Bevölkerung von der Regierung angehalten, weniger Fleisch zu essen. Das hätte Folgen für die hiesigen Landwirte, so auch für Rahels Cousin Hansjürg Steffen. «Die Mastmunis sind mein Einkommen.» Menschen mit wenig Bezug zur Viehwirtschaft hätten dafür meist null Verständnis. Vorurteile gegenüber Vegetarierinnen und Vegetariern wie Rahel sche
«Die Zeit ist reif für die Gefühlsrevolution», sagt Rayén Oberholzer und beginnt mit einer intensiven Atemübung. Sie will so an unterbewusste Gefühle rankommen und sich von einer ungesunden Beziehung zu Geld und Leistung befreien. Für sie und Manuel ist klar: Damit sich die immer schneller werdende Welt verändert, muss sich der Mensch transformieren. Weniger Hamsterrad und mehr Bewusstsein fürs Wesentliche – der Ansatz gefällt auch Reporter Donat. Doch beim Modell der Schenk-Ökonomie wird es bereits kompliziert. Bei Rayén und Manuel scheint das Selbstexperiment zu klappen. Doch wie sieht es auf die Dauer und für die Gesellschaft aus?
Wie könnte ein sinnvolles Familienmodell aussehen? Eine Frage, welche die Reporterin Viktoria auch privat umtreibt. Umso interessanter sind Einblicke in verschiedenen Lebensentwürfe: Christoph Emch ist Vater einer eineinhalbjährigen Tochter und Partner einer Kommunikationsagentur. Seine Karriere ist ihm wichtig, die Beziehung zu seinem Kind aber auch. Deshalb arbeitet er 100% in vier Tagen, was auslaugend und intensiv ist. Auch Philipp würde gerne mehr Zeit mit seinem Kind verbringen. Seine Lösung, im Job auf 80% zu reduzieren, ist für seinen Arbeitgeber ein NoGo. Ein Firmen-Wechsel kommt für Philipp aus karrieretechnischen Gründen aber dennoch nicht in Frage. Mehr Glück hatte Daniel Wichtermann: «Mein Wunsch war es schon immer eine Familie zu gründen und Zeit für sie zu haben.» Er und seine Frau sind beide zu 60% erwerbstätig, die restliche Zeit widmen sie ihren zwei Kindern. Unterschiedliche Modelle, sowie Bedürfnisse - eine Challenge für die jeweiligen Familien sind sie aber alle.
ZEAM geht regelmässig mit ihren Mitarbeitenden auf «Workation». Sie verbringen einige Tage gemeinsam an einem schönen Ort, arbeiten aber gleichzeitig und erledigen ihre täglichen Aufgaben. Reporterin Michèle Rüedi ist fasziniert von der versprochenen Freiheit und begleitet das Team bei einer Workation in Berlin. Sie bemerkt schnell, dass die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit fliessend ist. Beim Frühstück werden E-Mails gecheckt, während des Fitness und beim Bier im Ausgang wird über Geschäftliches gesprochen. Für die Gründerinnen und Gründer von ZEAM, Jo Dietrich und Yaël Meier, überwiegen die Vorteile dieses Arbeitsmodells. Man habe die Freiheit, Arbeit und Freizeit so zu gestalten, wie es einem in der persönlichen Situation passe und diese Freiheit mache glücklich, so die beiden. Auch die Mitarbeitenden scheinen von New Work zu profitieren. So bleibt zum Beispiel Michelle noch ein paar Wochen länger in Berlin und wird von dort arbeiten: «Das ist für mich Lebensqualität. Ich kann ne
Als Kind mit Migrationshintergrund, anderer Muttersprache als Deutsch und Eltern ohne höheren Schulabschluss hatte Sofika immer das Gefühl, mehr leisten zu müssen als andere in ihrem Alter. Glücklicherweise erkannte ihr Sekundarlehrer ihr Potenzial. Mit seiner Unterstützung und viel Fleiss und Wille ihrerseits schaffte sie es in die höchste Stufe der Sekundarstufe. Damit öffnet sich für sie die Tür des sozialen Aufstiegs. In der Schweiz ist Chancengerechtigkeit in der Bundesverfassung verankert. Jede und jeder soll dieselben Chancen auf Bildung haben, egal, welche Herkunft, Sprache und finanzielle Möglichkeiten jemand hat. Doch die Realität sieht anders aus. Reporterin Sofika trifft Angie, die erzählt, während der Schulzeit ständig unterschätzt worden zu sein. Sie hat später aus eigenem Antrieb Sozialpädagogik studiert und hat allen gezeigt, dass mehr Potenzial in ihr steckt. Janira, Angies Tochter, hatte in der Schulzeit ganz Ähnliches erlebt wie ihre Mutter. «Ich glaube nicht an die
«rec.»-Reporterin Elma Softic leidet selbst an Diabetes Typ 1 und weiss, wie es ist, wenn die Krankheit das Leben bestimmt. Im Teenageralter hatte sie ein Diabetes-Burnout. Mittlerweile akzeptiert sie ihre Zuckerkrankheit und hat die Blutzuckerwerte wieder im Griff. Anders ergeht es Sara Baumann: «Diabetes ist das Schrecklichste, was in meinem Leben passiert ist.» Der Umgang mit Diabetes ist für die 22-Jährige ein täglicher Kampf. Das ständige Messen des Blutzuckerwertes und die Insulinpumpe an ihrem Körper nerven sie: «Ich bin nicht frei in meinem Körper.» Sie war schon so verzweifelt, dass sie Suizidgedanken hatte. Diabetes Typ 1 gilt heute als unheilbar. Trotzdem glaubt Sara daran, dass ihr Körper irgendwann das benötigte Insulin wieder selber produzieren wird und sie geheilt werden kann. Oft ignoriert sie ihre Krankheit und misst ihren Blutzucker kaum noch. Doch die Konsequenzen sind schwerwiegend, wenn die Werte langfristig nicht im Lot sind. Es kann zu Nerven-, Gefäss- und Nieren
Bei Tirza aus dem Kanton Zürich geht der Traum vom Eigenheimgerade in Erfüllung. 1,7 Millionen Franken kostet das Haus, das sie und ihr Mann bauen lassen. Möglich ist das, weil die beiden Erbe vorbeziehen konnten. Reporterin Anna trifft Tirza auf der Baustelle des zukünftigen Zuhauses. Tirza sagt, sie sei selber in einem Eigenheim aufgewachsen und möchte sich diesen Standard erhalten. Bei Eric hingegen ist das Eigenheim noch eine Vision: Er möchte das alte Bauernhaus seiner Grosseltern übernehmen und es nach seinen Vorstellungen umbauen. Er wünscht sich Platz und Privatsphäre. Obwohl der Maschinenbau-Student bereits angefangen hat zu sparen, ist sein Traum noch in weiter Ferne. Damit sein Wunsch in Erfüllung geht, hat er sich Verstärkung zur Seite geholt – er und seine Schwester wollen das Haus zusammen übernehmen und sich die Kosten teilen. Der Traum ein Haus oder eine Wohnung zu besitzen, wird laut Soziologe Felix Keller auch von äusseren Einflüssen geformt, etwa durch Werbung oder d
Wenn Claudia Rechsteiner mit ihrer Tochter backt, schauen auf Instagram Millionen zu. Ihr Erfolgsrezept: Sie zeigt, wie ihre dreijährige Tochter ein Chaos anrichtet. Dass ihrer Tochter die Videos einmal unangenehm sein könnten, glaubt sie nicht. Ganz anders macht es Pasquale Stramandino. Der Content Creator würde niemals ein Bild seiner Söhne online stellen. Als Gründe nennt er KI und Kontrollverlust. Und Barbara Camponovo, die Leiterin einer Spielgruppe, zeigt sich selbstkritisch. Vor 15 Jahren hat sie fast ungehemmt Kinderfotos auf Facebook gepostet – mit negativen Folgen für ihre Kinder.
Als bei «rec.»-Reporterin Rahel Lenz ADHS diagnostiziert wurde, hat die damals 30-Jährige dem ganzen wenig Beachtung geschenkt. Schliesslich wollte sie ADHS nicht als Ausrede für vermeintliche Unzulänglichkeiten benutzen. In ihrer Reportage trifft sie auf Menschen, die im Alltag ähnliche Erfahrungen wie sie machen – sich unter anderem verzetteln, schwer konzentrieren können und sich irgendwie falsch fühlen. Der Anpassungsdruck führte bei einigen von ihnen gar zum Burnout und zu Selbstmordgedanken. Heute haben sie ihr Leben umgekrempelt und verstehen ADHS nicht als Defizit, sondern als Gabe.
Für die Restaurantbesitzer Mónica und Filipe steht bereits jetzt fest: Nach ihrer Pensionierung wollen sie zurück nach Portugal. Mit ihrer Rente könnten sie in Portugal besser leben als hier, sagt Mónica. Die beiden haben in ihrer Heimat ein Haus gebaut, das sie später ihrer Tochter übergeben wollen. Obwohl sie schon seit über zwanzig Jahren in der Schweiz leben, schlägt ihr Herz für Portugal. Die Schweiz verlassen oder doch bleiben? Diese Entscheidung beschäftigt im Moment die Familie Ledergerber. Die gebürtige Portugiesin Aurora hat vor vierzig Jahren einen Schweizer geheiratet. Robert Ledergerber steht vor der Pensionierung und möchte lieber schon heute als morgen nach Portugal auswandern. Aurora jedoch fällt es wegen ihren Kindern und Enkelkindern schwer, die Schweiz zu verlassen. Tochter Sarah, die mit einem Portugiesen verheiratet ist, schliesst es nicht aus, dereinst in Portugal zu leben. Wegen ihrem Job und den beiden Kindern, die in der Schweiz die Schulen besuchen sollen, ble
Lena lebt seit 3,5 Jahren in einem Wagen. Das Leben in und mit der Natur gebe ihr ein Gefühl der Freiheit, sagt sie. Miete zahlen sie und die anderen zwölf Personen auf dem Platz keine. «Ich glaube, viele Menschen arbeiten nur, um ihre Mieten bezahlen zu können», bedauert die 26-Jährige. Die steigenden Mietpreise seien mit ein Grund, warum sie sich für diese alternative Wohnform entschieden habe. Für die fehlenden Wasser-, Strom- und Kanalisationsanschlüsse mussten die Bewohnerinnen und Bewohner der Wagenburg selber eine Lösung suchen. Auch nehmen sie in Kauf, dass der Platz jederzeit von der Stadt Luzern geräumt werden könnte. Lena nimmt es relativ gelassen: «Falls wir geräumt werden, suchen wir uns einen neuen Platz. Das ist ja auch das Konzept eines Wagenplatzes. Wir sind fahrbar und können uns an einem neuen Ort wieder aufbauen.»
Für diese Reportage arbeitet «rec.»-Reporter Robin Pickis undercover als OnlyFans-Chatter. Er übernimmt während seinem ersten und einzigen Arbeitseinsatz das Sexting für zwei Models: «Es ist so absurd. Ich schreibe mit diesen Männern und alle denken, sie würden mit dem Model schreiben.» Die kanadische Agentur, die Robin angestellt hat, gibt ihm klare Ziele vor: Er solle den Kunden spitz machen, damit dieser so viel Geld wie möglich ausgäbe. Victoria ist OnlyFans-Chatterin aus den Philippinen. Sie verdient ihren Lebensunterhalt mit Sexting, hat drei Kinder und möchte anonym bleiben. Victoria bestätigt das manipulative Vorgehen: «Das Ziel ist, dass sich die Männer in das Model verlieben. So kann ich ihnen den Inhalt teuer verkaufen.» Ein Schweizer Agenturinhaber, der ebenfalls anonym bleiben möchte, erklärt, dass OnlyFans-Models mit grosser Reichweite die Nachrichten der Abonnenten nicht alle selbst beantworten können. Er setzt deshalb Ghostwriter ein, auch um den Umsatz der OnlyFans-Kon
Die Coaches geben kranken Menschen vor, ihnen beim Abnehmen helfen zu wollen. Die beiden Journalistinnen Marisa Haring und Nathalie Schaffner von «das Netz» haben zu solchen Pro-Ana-Coaches recherchiert. Sie gaben sich als magersüchtiges Mädchen aus und nahmen mit den selbsternannten Coaches Kontakt auf. Was sie im Austausch mit zwei von ihnen erfuhren, hat sie erschreckt. Schon nach kürzester Zeit wurde das fiktive, minderjährige Mädchen aufgefordert, Nacktbilder zu schicken. Der Coach begründete diese Aufforderung damit, er müsse den Körper des Mädchens kennenlernen, um ihm dann Anweisungen zum Abnehmen geben zu können. «rec.»-Reporterin Anna Kreidler spricht mit zwei magersüchtigen, jungen Frauen. Sie bestätigen die Recherchen der Journalistinnen. Anna war 14 Jahre alt und bereits magersüchtig, als sie Kontakt zu mehreren Coaches hatte. Sie verlangten unter anderem Nacktbilder von ihr. Dieses Erlebnis beschäftigt sie bis heute – die Magersucht hat sie noch nicht besiegt. Jeannette w
In Biel trifft Donat Hofer eine Familie, die im sogenannten Wechselmodell lebt. Die Eltern teilen sich die Betreuung der Kinder zu gleichen Teilen. Aufgrund unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten haben die Eltern den Kontakt zueinander auf ein Minimum reduziert. Eine andere Strategie haben Anneka und Sam; sie leben das sogenannte Nestmodell. Ein Elternteil lebt jeweils eine halbe Woche mit den Kindern in der Familienwohnung. So müssen die Kinder nicht zwischen zwei Haushalten pendeln. In Rapperswil besucht Donat eine Familie, die trotz Trennung im selben Haushalt lebt. «Wir sind wie beste Freunde.» Die unterschiedlichen Modelle haben etwas gemeinsam: Im Fokus steht das Wohl des Kindes.
Džehva Šabanović hat im Bosnienkrieg alles verloren und sagt, die Bilder und Nachrichten zu den aktuellen Kriegsgeschehnissen lösen bei ihr ein Déjà-vu aus: «Ist das jetzt oder ist das damals? Für mich ist das eine Retraumatisierung.» Sendo Hodžic wurde im Bosnienkrieg monatelang im Gefangenenlager festgehalten. Sein Sohn Haris wusste schon früh über seine Erlebnisse Bescheid. Das prägte seine Kindheit: «Als Kind hatte ich oft Angst, dass der Krieg wieder kommt.» Menschen, die den Krieg erlebt haben, können laut Expertinnen und Experten durch aktuelle Bilder und Nachrichten aus den Kriegsgebieten getriggert werden. Alte Traumata kommen wieder an die Oberfläche und lösen bei Betroffenen Ängste aus. «Diese Bilder sind auf beiden Seiten eine Waffe. Ich glaube, wir sind nicht fähig, all die Bilder, all das Leid zu verarbeiten», sagt Dino Šabanović. Trotzdem wollen er und seine Mutter Džehva nicht wegschauen.
Geht es um ihre eigene Flucht schweigen Sofikas Eltern und trotzdem sind die schwer zu verarbeitenden Erfahrungen im Familienalltag spürbar. Um ihre Eltern besser verstehen zu können, redet die Reporterin mit Menschen, denen Ähnliches widerfuhr und die ihre Geschichte erzählen möchten. Als Journalist war der 27-jährige Afghane Arif Azrad Zielscheibe des Taliban-Regimes und seines Lebens nicht mehr sicher. Zusammen mit seinem Bruder floh er in die Schweiz. Auch Mirach Amirdalingam musste gemeinsam mit Mutter und Schwester die Heimat Sri Lanka überstürzt verlassen. Während der rund sechs Monate andauernden Flucht bangten sie mehrmals um ihr Leben. Die Folgen des Traumas sind belastend. Laut Expertinnen und Experten versuchen Betroffene häufig, Situationen zu vermeiden, die sie an die schrecklichen Ereignisse erinnern.
Verschiedene Frauen berichten, wie schwer der Weg zur Lipödem-Diagnose war. Sie berichten von Ärzten, die sie nicht ernst nahmen, von Schikanen und Fehldiagnosen. Sport und Diäten zeigten kaum Wirkung. Vieles deutet darauf hin, dass kranke Fettzellen nicht verbrannt werden können. Auslöser der Krankheit sind Stand heute hormonelle Veränderungen bei der Frau. Viele Betroffene suchen selbst nach Spezialisten und testen Therapien. Model Marlou Bolg zum Beispiel lässt sich jede Woche behandeln, um zumindest zeitweise schmerzfrei zu sein. Auch Seraina probierte über Jahre verschiedene Ansätze, bevor sie sich der Fettabsaugung unterzog. Doch sie ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden und hofft auf eine Korrektur. Gelingt eine Operation, sind die meisten jahrelang schmerzfrei. Trotzdem: Lipödem ist eine unheilbare und chronische Krankheit und kann darum jederzeit zurückkommen.
Seine Recherche beginnt in seinem Freundeskreis: Samuel vermutet, sein Kollege Federico könnte unter einem «Dating-App-Burnout» oder einer «Swipe Fatigue» leiden. Schnell stellt sich heraus, dass ihn Tinder und Bumble tatsächlich belasten: «Die Apps schüren bei mir Hoffnungen, die nicht realistisch sind. Man erreicht sein Ziel nicht. Das ist deprimierend.» Laut einer Studie verändern Dating-Apps auch die Art und Weise, wie Beziehungen geführt werden. Das belastet die 25-jährige Sabeth: «Heutzutage haben alle Bindungsängste und beim Dating geht es oft nur um Sex.» Unter der Objektifizierung und Sexualisierung auf der Dating-App Grindr leidet auch Nicolas. Er werde oft auf gewisse Körperteile reduziert. Das löse bei ihm Selbstzweifel aus. «Ja, vielleicht machen einen diese Apps tatsächlich kaputt», sagt der 29-jährige Tarek. Das Problem sieht er in der scheinbar unbeschränkten Möglichkeit an Matches. «Wenn du eine Beziehung willst, musst du erst einmal diese riesge Auswahl einschränken.»
SVP-Politikerin Sarah Regez ist strikt gegen das Gendern. Sie spricht sich für das generische Maskulinum aus und glaubt, eine grosse Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer mit dieser Meinung im Rücken zu haben. Nun möchte sie mit der «Kinderschutzinitiative» das Gendern an öffentlichen Schulen im Kanton Baselland verbieten. Sie befürchtet, den Kindern würde mit einer gendergerechten Sprache «woke Ideologien» indoktriniert. Primarlehrer Luca Zagarella betont hingegen die Wichtigkeit einer inklusiven Sprache im Klassenzimmer. Er möchte damit vor allem festgefahrene Geschlechterrollen in den Köpfen der Kinder aufbrechen. Gerade wenn es um die Berufswahl gehe, sei es wichtig, dass nicht nur von Feuerwehrmännern, Sekretärinnen und Ärzten die Rede sei.
«rec.»-Reporterin Anna Kreidler trifft die drei freiwilligen Mitarbeitenden bei ihren Einsätzen und möchte erfahren, was die Arbeit im Hospiz mit ihnen macht und ob sich dadurch ihre Einstellung zum Tod verändert hat. Schnell merkt sie durch die Freiwilligen, dass es in den Hospiz-Einrichtungen nicht nur ums Sterben geht, sondern auch ums Leben und die Frage, wie man sein Leben verbringen möchte.
Nach der künstlichen Befruchtung ist wieder banges Warten angesagt. Ist Stefanie nach dem vierten Versuch schwanger? Die Zeit drängt. Stefanie wird bald 39 Jahre alt. Sie und ihr Mann Vanjo probieren seit fünf Jahren vergeblich schwanger zu werden. Mit jedem Monat, der verstreicht, steigen die psychische Belastung und der Druck. Auch ihre Beziehung leidet zunehmend: «Wir haben Sex auf Kommando. Der Zauber geht verloren», erzählen die beiden. Auch bei Priska und Samuel bestimmt das tiefe Verlangen nach einem eigenen Kind ihr Leben. Acht Jahre lang müssen sie mit Enttäuschungen und Rückschlägen umgehen. Ihre Beziehung steht vor dem Ende. Nach einer Paartherapie schöpft das Paar wieder Hoffnung und kämpft weiter. Die wenigsten sprechen gerne über Unfruchtbarkeit und den unerfüllten Kinderwunsch. Die beiden Paare brechen ein Tabu.
Das Thema Integration beschäftigt deutsche Neuankömmlinge oft mehr, als sie vorab denken würden. Johannes lebt seit einem halben Jahr in der Schweiz, das soziale Umfeld fehlt ihm. Fiona ist nach einem Jahr in Zürich wieder zurück in Düsseldorf – sie fühlte sich zweitklassig. Deutsche sind die grösste Einwanderergruppe in die Schweiz. Aber warum werden so viele nicht heimisch? Eine Rückkehrerin, der «Integrationsprofi» Kaya Yanar und ein Neuankömmling geben Einblick in ihr Leben als Deutsche in der Schweiz.
Sie sind pyramidenartig aufgebaut und befinden sich rechtlich im Graubereich. Sogenannte Network-Marketing- oder Multilevelmarketing-Unternehmen werben mit unglaublichen Verdienstmöglichkeiten junge Menschen an, die von der finanziellen Freiheit träumen. «rec.»-Reporter Livio Chistell zeigt auf, was hinter dem Trading-Netzwerk Retired Young steckt. So stellt er fest, dass es hier nicht nur ums Traden geht, sondern vielmehr um den Aufbau eines grossen Netzwerkes und die Anwerbung neuer Mitglieder. Diese zahlen monatlich hohe Mitgliederbeiträge für die Nutzung der Schulungsplattform JIFU. Finanziell profitieren aber nur diejenigen, die zuoberst in der Hierarchie des Netzwerkes stehen. Silas Setteducati ist einer der Leader von Retired Young. «rec.» begleitet den Innerschweizer an einen Event nach Dresden, spricht mit ehemaligen Mitgliedern von solchen Netzwerken und nimmt undercover selbst an einem Event von Retired Young in Zürich teil.
Der Alltag der 26-jährigen Lisa wird durch die Symptome ihrer Long Covid-Erkrankung bestimmt. Seit über zwei Jahren muss sie zurückstecken und auf Vieles verzichten. Eine Besserung ist nicht in Sicht. «Es fühlt sich an, als wäre mein Körper mein Gefängnis.» Auch Andrea Salvisberg muss damit umgehen, dass sein Körper regelmässig streikt. Als Profi-Triathlet trat er bereits an den Olympischen Spielen und dem Ironman Switzerland an. Doch seit Monaten bestimmen Fieberschübe das Leben des 35-Jährigen. Wird ihn diese Krankheit seine Karriere kosten?
Monika wohnt seit über 24 Jahren in einem Wohnblock in Steinhausen. Nun hat der Eigentümer allen das Mietverhältnis gekündigt und verkauft die Liegenschaft. Sie muss schnell eine neue Bleibe finden – fast unmöglich in einem Kanton, in dem beispielsweise im Jahr 2023 insgesamt nur rund 95 Mietwohnungen leer standen. Tanja ist Mutter geworden und sucht darum eine grössere Wohnung. Die Suche auf Immobilien-Plattformen, in Facebook-Gruppen und über Bekannte ist aufwendig und frustrierend: «Die Zuger müssen von hier wegziehen, weil sie es sich nicht mehr leisten können.» Reporterin Elma Softic stösst selbst auf Angebote, die ihr Budget bei weitem übersteigen. «Wer kann sich schon eine 4.5-Zimmer-Wohnung für 5650 Franken leisten?».
Auf Julias Arm sind acht miteinander verbundene Punkte tätowiert. Ein Symbol für die acht Fehlgeburten, die sie in den letzten Jahren erleben musste. «So sind sie immer ein bisschen dabei», erzählt die 40-Jährige in einer Gesprächsgruppe für Frauen, deren Kinderwunsch nicht in Erfüllung ging. Das Loslassen von einem Lebenstraum wird von einigen Frauen als Trauerprozess beschrieben, andere fühlen sich ohnmächtig und suchen nach Antworten. Julias Partner, Chris, fiel in eine tiefe Depression: «Jetzt haben wir zwanzig Jahre vor uns, die wir anders auffüllen müssen.» Regula und Michel mussten den Lebensentwurf mit Kindern ebenfalls loslassen. Für ihre Beziehung war die Zeit des Hoffens und Bangens eine grosse Herausforderung. «Der unerfüllte Kinderwunsch hat nach Ablenkung geschrien», sagt Michel. Er hat kürzlich sein zehntes Restaurant eröffnet und findet Erfüllung in seinem Beruf. Für Regula ist der Austausch mit anderen betroffenen Frauen wichtig, um besser mit dem unerfüllten Kinderwun
Sarg oder Urne? Kirchliche Bestattung oder lieber etwas Modernes? Ein Besuch beim Bestatter zeigt, dass die Entscheidungsmöglichkeiten schier unendlich sind. Im Todesfall tätigen diese Entscheidungen im Normalfall die Hinterbliebenen. Gian-Marco hat selbst erlebt, wie schwierig und emotional es sein kann, solche Entscheide zu fällen. Das möchte er einst seinen Hinterbliebenen ersparen. Deshalb regelt Gian-Marco gewisse Dinge für sein Ableben schon heute: Er spricht mit einem Bestatter über die Auswahl der Urne und macht eine Patientenverfügung. Zudem bespricht er mit der Familie seines verstorbenen Kollegen, was ihnen geholfen hat in dieser schwierigen Zeit. Sterben muss jeder früher oder später. Wieso also nicht zu früh als zu spät den eigenen Tod organisieren?
Über 180’000 Kinder sind im vergangenen Jahr in der Ukraine zur Welt gekommen. Luzia besucht eine junge Mutter, die während des Kriegs ein Kind geboren hat. Andrij ist heute eineinhalb Jahre alt und hat seinen Vater nie kennengelernt – er ist an der Front gestorben. Natalija ist 27 Jahre alt und möchte Mutter werden. Aber für ihren Mann kommt das nicht in Frage. Als ukrainischer Soldat an der Front würde er nicht erleben können, wie sein Kind aufwächst. Sie entscheiden sich, seinen Samen einfrieren zu lassen, damit Natalija auch dann ein Kind von ihm kriegen könnte, wenn ihm etwas zustossen würde. In Odessa trifft Luzia eine im achten Monat schwangere Frau. Sie erwartet Zwillinge. Obwohl kürzlich ihr Haus zerstört wurde und dabei zwölf Personen, darunter mehrere Kinder, getötet worden sind, will Oleksandra in ihrer Heimatstadt bleiben: «Als der Krieg anfing, verstand ich, dass ich von einem Tag zum nächsten lebe. Man kann nicht mehr planen.» Das sagt sich auch Wiktorija, die ihr zweite
Über Schweizer Studentenverbindungen gibt es kaum Berichte. Die Berner Studentenverbindung Burgundia öffnete für «rec.»-Reporter Matthias von Wartburg ihre Türen. Dabei taucht er in eine ihm völlig fremde Welt. Bei der bald 160-jährigen Verbindung werden alte Traditionen zelebriert. Es gibt eine klare Hierarchie, strikte Regeln und es werden ausschliesslich Männer aufgenommen. Der Zusammenhalt untereinander sei stark, sagt der Präsident der Burgundia, Benjamin Goranin: «Es ist wie eine zweite Familie.» Doch was ist mit den gängigen Vorurteilen? Sind Verbindungen nicht elitär, ewiggestrig, rechtsextrem und frauenfeindlich? Antworten gibt es in der Reportage.
«Ich fühlte mich misshandelt», sagt die zweifache Mutter Nataša Bilgin. Ihr sei ohne ihre Einwilligung ein Opiat verabreicht worden, das ihren Körper lahmgelegt habe. Als sie um Hilfe gebeten habe, sei sie von der Hebamme ausgelacht worden. Für Nataša eine traumatisierende Erfahrung. Als sie zum zweiten Mal schwanger war, wollte sie alles anders machen und hat sich eine Doula, eine nichtmedizinische Geburtshelferin, beigezogen. Auch Gina Tanner Gobine erlebte Gewalt unter der Geburt. Sie fühlte sich von der Ärztin und Hebamme nicht ernst genommen und es wurde der umstrittene Kristeller-Handgriff ohne Vorinformation und ihre Einwilligung angewendet. Um solche und ähnliche Situationen anderen Frauen zu ersparen, lässt sie sich zur Doula ausbilden. Sie begleitet schwangere Frauen vor und während der Geburt: «Je mehr eine Frau weiss und je selbstbestimmter sie ist, desto besser ist das für die positive Wahrnehmung der Geburt.»
Dawa war tief getroffen, als ihre enge Freundin per Sprachnachricht die Freundschaft beendete: «Sie fand, ich zeige nicht genug Interesse und sei zu Ich-bezogen.» Das hat Dawa hart getroffen, gerade weil sie sich selbst anders sah. Seitdem kämpft sie mit Selbstzweifeln und fragt sich, was sie in der Freundschaftsbeziehung anders hätte machen können. Gespräche mit ihrer Mitbewohnerin helfen ihr, den Schmerz zu überwinden. Sreya war 19 Jahre lang eng mit ihrer Freundin verbunden. Als sie jedoch eine schwere Zeit durchmachte und an einer Depression litt, fühlte sie sich von der Freundin im Stich gelassen. Sreya entschied sich schweren Herzens, mit der Freundin Schluss zu machen. «Ich hatte ein Loch in meinem Leben», erzählt sie. Mithilfe einer Psychologin versucht Sreya die Trennung zu verarbeiten.
rec.-Reporterin Michèle Rüedi taucht selbst in den Langlebigkeits-Lifestyle ein. Sie stellt ihre Ernährung um, trinkt keinen Alkohol, duscht jeden Tag kalt, geht regelmässig um 22.30 Uhr ins Bett, macht Achtsamkeitsübungen und nimmt Nahrungsergänzungsmittel zu sich. Das fühlt sich für sie erstmal gut an, doch einiges bleibt auch auf der Strecke. Die Reporterin lernt Longevity-Fans kennen und stellt fest, dass Longevity ganz unterschiedlich gelebt werden kann. Der 28-jährige Pflegefachmann Luca Hintermann zum Beispiel hat sein Leben schon vor zehn Jahren umgestellt. «Wer früh anfängt, muss keine Angst vor dem Altern haben – dann ist das Alter nur eine Zahl», sagt er beim Training mit schweren Hanteln in seinem Home-Gym. Sein Ziel: Mit seinem gesunden Lifestyle als einer der ältesten Schweizer in die Geschichte einzugehen.
«Es war nicht mein Traum, Weinhändlerin zu werden», sagt Florence Woodtli. Als es ihrem Vater plötzlich gesundheitlich schlecht ging, gab sie ihren Job auf und trat in seine Fussstapfen. Für ihn ein grosses Glück. Und trotzdem sagt er: «Ich hätte es voll akzeptiert, wenn sie den Laden nicht übernommen hätte». Seit der Stabsübergabe modernisiert Florence die Weinhandlung schrittweise, eine neue Website soll den Verkauf ankurbeln. Auch der 31-jährige Livio Bieler aus Bonaduz GR wächst in die Rolle des Geschäftsführers, er übernimmt das Sportgeschäft seiner Eltern. Der Druck ist gross: «In drei Jahren soll er den Karren ziehen», sagt Vater Norbert Bieler.
Hochsensibilität ist für viele Männer noch immer ein Tabu. Im Gespräch mit rec.-Reporter Simon Reinker brechen Betroffene ihr Schweigen und erzählen von ihrem Leidensdruck. «Die negativen Gefühlswellen schwappen über mich und es hört und hört nicht auf.» Früher hat sich Flurin gefragt, weshalb es ihm emotional so viel schlechter als anderen geht. Seit er weiß, dass er hochsensibel ist, hat er zumindest eine Erklärung. Adrian erging es ähnlich. Vor zehn Jahren erlitt der Lehrer ein Burnout. Seit ihm klar ist, dass er hochsensibel ist, vermag er sich besser zu schützen – indem er sich Pausen gönnt und Grenzen nicht überschreitet. Aber die Hochsensibilität hat, laut Flurin, auch ihr Gutes und sei manchmal wie eine Superkraft. Seine empathische Art sei wie ein Türöffner in die Herzen.
«Ich will ein ruhiges Leben. Keine Termine, kein Stress, keine Rechnungen», begründet Mersiha Osmanovic ihren Entschluss, nach Bosnien zurückzukehren. Sie und ihr Mann hätten hier in der Schweiz genug erreicht, jetzt sei die Zeit gekommen, das Leben zu geniessen. Die beiden haben in einem kleinen Dorf in Bosnien-Herzegowina ein Haus gebaut. Mit ihrem Ersparten können sie sich dort frühzeitig zur Ruhe setzen. Die beiden Töchter, 25 und 22 Jahre alt, verstehen zwar den Entschluss, doch der Abschied fällt ihnen schwer: «Ich habe erst an der Abschiedsfeier realisiert, dass sie jetzt wirklich gehen. Jetzt müssen wir mehr Verantwortung übernehmen.» Auch die Eltern von Reporterin Elma Softic sehen ihre Zukunft in Bosnien. Doch der Bau ihres Eigenheims verzögert sich. Bosnien steckt auch Jahre nach dem Jugoslawienkrieg in einer tiefen Wirtschaftskrise und hat mit Überalterung zu kämpfen. Elma schaut sich die Baustelle an und besucht Mersiha und ihren Mann ein halbes Jahr nach ihrer Rückkehr.
Shazna war erst zehn Jahre alt, als man sie mit einer Bekannten aus der tamilisch-muslimischen Community zu einem Frauenarzttermin schickte. Sie sollte das Gespräch übersetzen. «Ich war so schockiert. Sie sagte, sie hätte Geschlechtsverkehr mit ihrem Mann und es brenne», erinnert sich Shazna. Sie hatte keine Worte, um diese intimen Details zu übersetzen. In der Schweiz nimmt jedes achte Kind in der Schweiz zwischen 10 und 15 Jahren solche Unterstützungsleistungen und Betreuungsaufgaben für Erwachsene. Oft tun sie das im Verborgenen. Semira flüchtete als Siebenjährige mit ihrer Familie aus Eritrea in die Schweiz. Schnell hat sie Deutsch gelernt und viel Verantwortung für ihre Familie übernommen. So leistete sie für ihre Eltern nicht nur sprachliche Übersetzungsarbeit, sondern auch kulturelle. Sie half der Familie sich in der Schweiz zurechtzufinden. Auch der heute 35-jährige Rohan kümmerte sich jahrelang um seine kranken Eltern. «Durch den Dauerstress war ich oft erschöpft. Ich konnte n
Iveth trägt orange Gummihandschuhe, Schweiss läuft ihr über die Stirn. Gereizt säubert sie am Rising Phoenix Beach in Accra, der Hauptstadt von Ghana, den Strand von Secondhandkleidern. «Afrika ist ein Kontinent, keine Müllhalde. Das muss aufhören!», sagt sie. Die Altkleider aus dem globalen Norden werden von ghanaischen Alterkleiderhändlern importiert. Bernard Owona ist seit zehn Jahren Händler auf einem der grössten Kleidermärkte der Welt, dem Kantamanto-Markt. Für ihn ist der Import von ganzen Kleidercontainern ein lukratives Geschäft. Er importiert neue Ware aus China. Die 24-jährige Textildesignerin Khalifina verdient ihren Lebensunterhalt mit den Secondhandkleidern. Sie sucht auf dem Markt die besten Stücke aus, upcycelt sie und verkauft sie online: «Kleidung wieder zum Leben zu erwecken, liegt mir am Herzen.» Doch der Handel mit den Altkleidern hat Schattenseiten. Rund 40 Prozent aller Kleidungsstücke des Kantamanto-Marktes landen auf illegalen Müllhalden. Die riesigen Abfallber
Im Sommer 2023 trifft Manuela Morgenthaler eine lebensverändernde Entscheidung: Sie will den Mont Blanc, den höchsten Gipfel der Alpen, besteigen – eine gigantische Herausforderung für Manuela, die das Sofa den Wanderschuhen vorzieht und noch nie eine Hochtour gemacht hat. Das Vorhaben wird ihr Leben für mehrere Monate auf den Kopf stellen. Zum Glück muss Manuela die abenteuerliche Reise nicht allein antreten. Ihre jüngere Schwester Marina, eine erfahrene Alpinistin mit über 40 Viertausendern auf dem Konto, wird zu ihrem Coach. Marina treibt Manuela an, denn ohne intensive Vorbereitung wäre das Ziel nicht nur unerreichbar, sondern auch gefährlich. Warum Manuela schliesslich auf die 4600 Meter hohe Dufourspitze, statt auf den Mont Blanc zusteuert und was sie eigentlich dazu antreibt ihre Komfortzone zu verlassen und sportliche Höchstleistungen zu erbringen, ist in der hundersten rec.-Reportage zu sehen.
«Kurz bevor wir den Papst auf eine seiner Reisen begleiteten, wurde uns mitgeteilt, wir sollten noch schnell unser Testament schreiben», erzählt Mihovil Blazevic während er auf Patrouille ist. «Da musste ich tief schlucken.» Trotz des Risikos, das mit diesem Job einhergeht, hält ihn der Glaube an Gott, die Kameradschaft unter den Gardisten und die spezielle Arbeitswelt schon seit fünf Jahren in Rom. Rund 70 Prozent der Gardisten bleiben jedoch nicht länger als 26 Monate – so lange ist Pflicht. Mihovil Blazevic teilt sich sein Zimmer mit einem anderen Gardisten in der Kaserne. Er kriegt einen Sold von rund 1500 Euro. Privatsphäre hat er wenig und sein Alltag ist geprägt von strengen Regeln und unregelmässigen Arbeitszeiten. Zudem steht die katholische Kirche wegen den Missbrauchsskandalen und konservativen Moralvorstellungen stark in der Kritik. Für Mihovil ist klar, dass die Fehler, die die Institution gemacht hat, aufgeklärt und aufgearbeitet werden müssen. Er möchte seine Rolle als S
Das Thema Übergewicht begleitet die Reporterin Arzije Asani schon seit sie ein Teenie ist. Sie probierte alles, um abzunehmen und dem zu entsprechen, was in der Gesellschaft als gesund und schön definiert wird. In letzter Zeit findet sie einen anderen Zugang zu ihrem Körper – dank sogenannten Plus-Size-Influencerinnen, denen sie auf Social Media folgt. Eine davon ist die Schweizer Körperaktivistin Franziska Glauser. Das Plus-Size-Model setzt sich für die Akzeptanz aller Körperformen ein. Für sie ist klar: Gesundheit kann nicht nur über den Körper definiert werden. Die Psyche gehört auch dazu. «Es heisst, ein dicker Mensch sei ungesund und ein schlanker Mensch gesund. In den Zeiten, als ich am schlanksten war, fühlte ich mich aber unglaublich krank», erzählt sie der Reporterin. Das Dilemma zwischen Selbstakzeptanz und Gesundheitsdruck bespricht Arzije Asani auch mit Ala Choury, die vor ein paar Jahren 35 Kilo schwerer war als heute. Nahestehende Personen hätten damals ihren Körper komme
Reporterin Viktoria Kuttenberger begleitet die 29-jährige Caroline Wolfensberger zur Chemotherapie und spricht mit ihr über ihren Umgang mit der Krankheit. Die Mutter einer dreijährigen Tochter hat Lymphdrüsenkrebs. Trotz der vielen Nebenwirkungen der Behandlung gibt sie jedoch nicht auf und sagt dem Krebs den Kampf an. Moritz, 24, beschreibt seine Krebserkrankung mit den Worten: «Während alle anderen auf der Überholspur fahren, bin ich mit dem Trotti im Gegenverkehr unterwegs.» Nachdem ein bösartiger Tumor in seiner Hand entdeckt wurde, streute der Krebs auch in seine Lunge. Obwohl seine Ärztinnen und Ärzte eine Heilung für ausgeschlossen halten, bleibt Moritz optimistisch: «Ich kann es nicht ändern. Ich habe noch so Vieles zu erleben. Wieso sollte ich aufgeben?»
Die 26-jährige Shelly verliebte sich Hals über Kopf in Lalou, ein Pferd und baute mit diesem eine intensive Beziehung auf. Dank dem Tier habe sie ihre Essstörung überwunden und an Selbstwertgefühl gewonnen, erzählt sie rec.-Reporterin Rahel Lenz. Keine gewöhnliche Situation für ihren neuen Ehemann, denn Shelly und Lalou gibt es nur im Doppelpack. Auch Naomi geben ihre Tiere Halt und einen Sinn im Leben. Einst heroin- und alkoholabhängig, ist die 27-Jährige dank der Tiere heute clean. Ihre Wohnung teilt sie mit Hunden und Katzen, Wachteln und Meerschweinchen, Kröten und Geckos und noch einige Arten mehr – 45 Tiere sind es insgesamt. Die Verantwortung, die sie für ihre Tiere trägt, gibt ihr Struktur und hilft ihr, den Alltag zu meistern.
«Es ist ein Gefühl von Geborgenheit und Wärme», sagt Regina, während sie auf dem Bahngleis einen Strommasten umarmt. Seit ihrem elften Lebensjahr liebt sie Oberleitungen. Zu Hause wartet statt eines Partners eine Oberleitungs-Vorrichtung auf sie – Regina bezeichnet «Röhri» als ihren Mann. Oliver liebt verschiedene Objekte, darunter Lokomotiven und Instrumente. Ihm ist es wichtig, dass die Objektophilie nicht mit der Objektsexualität verwechselt wird. Für den klinischen Sexologen Werner Huwiler ist die Objektophilie nichts Ungewöhnliches. «Die meisten Menschen wären fähig, Objekte zu lieben», sagt er. Ein gutes Beispiel für die Verbindung von Mensch und Objekt sei zum Beispiel der geliebte Teddybär. Über die Ursachen der Objektophilie ist wenig bekannt. Die Wissenschaft befasst sich selten mit dem Phänomen. Eine Studie stellte einen Zusammenhang der Objektophilie mit der Autismus-Spektrum Störung und Synästhesie fest.
«rec.»-Reporterin Anna Kreidler will erfahren, wie man Freund:innen mit psychischen Problemen am besten zur Seite steht. Sie trifft auch Freundschaftspaare, in denen nicht nur eine, sondern beide Personen psychisch belastet sind. Andrea sagt über ihre beste Freundin: «Man versteht sich einfach, muss sich nicht erklären.» Ist geteiltes Leid doppeltes Leid? Es kann nämlich auch Nachteile haben, wenn beide in der Freundschaft psychisch krank sind. Cyril und Rolli sind sich früher gegenseitig angegangen, auch körperlich. Beide haben unter anderem die Diagnose ADHS und mussten lernen, über ihre Probleme zu reden. «Wir Männer sind schon eher verschlossen», so Rolli. Heute können sich die beiden Männer aber auch in den Arm nehmen, wenn es ihnen schlecht geht. Freundschaften, in denen psychische Probleme eine Rolle spielen, sind ein steter Tanz zwischen Nähe und Distanz. Als es Tosca während der Dreharbeiten plötzlich schlechter geht, isoliert sie sich und will mit niemandem reden. «Ich will e
Um das herauszufinden, taucht rec.-Reporterin Michèle Rüedi in die Cosplay-Szene ein und trifft auf Darstellerinnen, die mit erotischen Bildern ihr Geld verdienen. Wie zum Beispiel Ramona, die als Manga-Figur «Makima» vor der Linse steht und den Charakter so authentisch wie möglich darstellen möchte. Die 32-jährige Erotik-Künstlerin «Mrs. Nice» hingegen hält sich an keine Vorgaben und erfindet stattdessen ihre eigenen Figuren: «Ich schlüpfe gerne in andere Rollen, um erotische Fantasien anzuregen.» Ein Stil, der besonders bei ihrem jungen Publikum auf Instagram und Onlyfans gut ankommt. Auf der Suche nach Antworten spricht die Reporterin mit Expertinnen und Konsumenten und erhält dabei faszinierende und überraschende Einblicke in die Welt des Erotik-Cosplays. Bild: Nina Luca
Auch Reporter Matthias von Wartburg fährt meist ohne Helm. Er trifft Stefanie Freiburghaus, die vor Sie über drei Jahren auf einer Fahrradtour verunfallte. Die Tour war ein Date mit ihrem heutigen Partner. Sie trug damals ausnahmsweise keinen Helm. «Mein Date hatte auch keinen Helm und ich wollte meine Frisur nicht ruinieren.» Stefanie stürzte und erlitt ein Schädelhirntrauma. Seit diesem Unfall ist Stefanies Leben ein anderes. Sie hat Mühe sich zu konzentrieren, ist schnell überfordert. Auch auf emotionaler Ebene ist sie nicht mehr dieselbe. Diagnose: Affektinkontinenz. «Seit dem Unfall habe ich Mühe meine Emotionen zu kontrollieren», sagt Stefanie. Ihre Leitungsposition im Service musste sie aufgeben und sucht seither einen passenden Job.
Der Kunstturner Samir Serhani, Mitglied des Schweizer Nationalkaders, lebt für seinen Traum von der Olympiade: «Wenn ich vor 10’000 Zuschauern turnen darf, fühle ich mich wie in einem Film.» Sein Alltag jedoch ist durchstrukturiert, geprägt von hartem Training, wenig Freizeit und ständigen Schmerzen: «Ich habe schon fünf Operationen hinter mir.» Während der Dreharbeiten für diese Reportage trifft Samir eine Entscheidung, die sein Leben verändern wird. Fussballprofi Simon Sohm zog mit 19 allein nach Italien und verdient heute beim Erstligisten Parma Calcio rund 40’000 Euro im Monat. Doch der Druck ist enorm: «Nach schlechten Spielen beleidigen dich die Leute auf Social Media.» Auch die Einsamkeit prägt sein Leben: «Am Anfang war es schwierig, aber ich habe mich daran gewöhnt.» Als Eishockeyspielerin beim EV Zug und in der Nationalmannschaft kann Noemi Ryhner ihren Traum nicht allein durch den Sport finanzieren. Sie arbeitet 40 Prozent im Büro und pendelt zwischen Beruf, Training und Spi
Nach der Geburt ihres zweiten Kindes erlebt Lina zum zweiten Mal eine postpartale Depression. Statt Freude bestimmen Trauer, Hoffnungslosigkeit und Ängste ihren Alltag. Die Bindung zu ihrem Kind blieb aus, was sie bitter bereut. Schuldgefühle belasten zusätzlich. 15 bis 20 Prozent der Frauen haben nach der Geburt mit Depressionen zu tun. Auch Gabriela und Rahel kennen den langen Weg aus dem seelischen Tief. Mit Therapie und Unterstützung finden sie Schritt für Schritt zurück in den Alltag, fühlen Hoffnung und die Kraft, als Mutter voll da zu sein.
«rec.»-Reporterin Anne-Sophie Galli spricht mit einer 32-jährigen Juristin, die durch eine perfide Betrugsmasche fast 50'000 Franken verloren hat. Weder ihre Bank noch die Polizei in der Schweiz konnten ihr helfen, das Geld wieder zurückzukriegen. «Es fühlt sich an, als würde einem der Boden unter den Füssen weggezogen», erzählt sie. Eine Gruppe von Youtubern legen sich mit den Internetbetrügern an und setzen sich für die Opfer ein. Mit ihren Youtube-Videos machen sie zudem auf die Betrugsmethoden aufmerksam und können Menschen vor Scam schützen. Sven ist einer dieser Scambaiter. Er lebt in Indien, ist von Beruf Ingenieur und versucht in seiner Freizeit die kriminellen Netzwerke zu enttarnen, potentielle Opfer frühzeitig zu warnen und ganze Callcenter lahmzulegen. «Ich habe es geschafft, dass viele Betrüger festgenommen wurden und habe tausende Menschen davor bewahrt, Geld zu verlieren.» Anne-Sophie Galli schaut ihm über die Schultern und ist dabei, wenn er sich in die Computer von Bet
Rund 20’000 Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt werden jährlich in der Schweiz registriert. Die Dunkelziffer wird von Fachleuten zwanzigmal höher geschätzt. Die 26-jährige Stephanie erlebte in ihrer Beziehung extreme Eifersucht und Kontrolle: «Mit der Zeit wurde es wirklich schlimm. Wenn ich zum Beispiel einkaufen ging, musste ich ihn per FaceTime anrufen, damit er sah, wo ich war.» Diese ständige Überwachung isolierte Stephanie von ihren Freunden und ihrer Familie. Später eskalierte die Situation. «Es hat angefangen, dass er mich geschubst hat. Später hat er mich gekickt, geschlagen und sogar gewürgt», erzählt sie der «rec.»-Reporterin Sofika Yogarasa. Stephanie hatte Angst und schämte sich, nahm aber all ihren Mut zusammen und wandte sich an ihre Mutter und ihre beste Freundin. Mit deren Unterstützung ging sie zur Polizei und zeigte ihren Expartner an. Auch die 31-jährige Lara (Name geändert) wuchs als Kind in einer gewaltgeprägten Umgebung auf und erlebte später als Erwachse
Hypnose ist umstritten: Während die einen beeindruckende Erfolge erleben, berichten andere von negativen Erfahrungen. Michèle trifft eine junge Frau, die durch eine Hypnosetherapie belastende Erlebnisse hatte: «Eine Stunde nach der Hypnose fiel ich in ein Loch und hatte direkt Panikattacken. Ich musste in der Folge wieder Medikamente nehmen, die ich vor der Hypnose abgesetzt hatte.» Eine besonders eindrückliche Erfahrung macht die «rec.» -Reporterin im Operationssaal: Silvio Künzler lässt sich ganz ohne klassische Narkose an der Hand operieren. Sein Hypnosetherapeut ist der Meinung, alle Menschen seien hypnotisierbar, wenn sie es nur wollen. Kann der Geist den Schmerz wirklich ausschalten? Die Reportage geht der Frage nach, ob Hypnose mehr als nur ein Bluff ist – und ob sie tatsächlich als wirksame Behandlungsmethode gelten kann.
Reporter Simon Reinker, der selbst 25 Jahre lang Teil freikirchlicher Gemeinschaften war, thematisiert ein Tabuthema: queere Christen in der Freikirche. Dabei geht es um Diskriminierung und Ausgrenzung, aber auch um Hoffnung und Selbstfindung. Lange setzte sich Eve als bibeltreue Hardlinerin gegen queere Menschen ein – bis sie erkannte, dass sie lesbisch ist. Conny entdeckte mit 42 Jahren ihre Bisexualität. Doch kann sie sich in ihrer konservativen Freikirche outen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen? Die Reportage beleuchtet persönliche Schicksale, theologische Spannungen und den Umgang evangelikaler Freikirchen mit queeren Gläubigen.
Zuerst sieht die Reporterin die Crack Konsumenten – gehetzte Gestalten, gezeichnet von der Sucht. Doch hinter der Sucht verbergen sich Geschichten. Wer sind diese Menschen? Was quält ihre Seelen? Wie sieht ihr Leben aus, gefangen zwischen Rausch und Elend? Und was ist das für eine Droge, die ihnen alles nimmt und doch nie genug gibt? Für Marc ist das Leben mit Crack ein endloser Kreislauf. Kaum hat er geraucht, sehnt er sich nach der nächsten Dosis. Mit 38 ist er obdachlos, die Sucht hat ihn alles gekostet. «Man sucht Hilfe, aber keiner hilft», sagt er. Sein Wunsch: «Wie ein normaler Mensch behandelt zu werden.» Auch Jean-Pierre, 53, kämpft gegen die Sucht. Fünf Jahre lang hat Crack sein Leben beherrscht. «Man verkauft für die Droge seine eigene Seele», sagt der gelernte Bäcker. Jetzt will er von der Sucht loskommen, doch der Weg ist steinig. «Für die Gesellschaft bin ich einfach weniger wert.» Die Reporterin taucht ein in diese Welt, die viele meiden. Sie sieht die Hoffnung, das Leid,
Für Tobias Lingg, 23, Co-Leiter der «Jungen Tat», gibt es nur einen Weg: rechts. Weil es seiner Generation schlechter gehe als jener seiner Eltern. Deshalb müsse es eine politische Wende von rechts geben. Die Heimat sei dabei jedes Opfer wert, auch juristische Strafverfolgung oder linksextreme Gewalt. Die Gruppe sieht die Schweiz und Europa durch Migration bedroht. Ihr Ziel: «Remigration» und der «Erhalt der Schweizer Identität», erklärt Gründer Manuel Corchia, 23. Fremde Menschen könnten zwar in der Schweiz leben aber nie wirklich dazugehören. Die Vermischung von Religionen und Ethnien müsse gestoppt werden. Auch Ex-Klimaaktivistin Selina Dienemann (22) unterstützt diese Ansichten und hat eine dezidierte Meinung zu queeren Menschen und Transpersonen: «Man sollte sich nicht jeden Morgen überlegen können, ob man jetzt ein Einhorn oder ein Schäflein ist, sondern dass es einfach Mann und Frau gibt.» Die «Junge Tat» folgt damit der rechtsextremen «Identitären Bewegung» um den Österreicher
Marc hat seit seiner Jugend eine pädophile Neigung und wurde vor neun Jahren wegen Konsums von Missbrauchsdarstellungen von Kindern verhaftet. Er bereue diese Tat, erzählt er und versichert gleichzeitig, er habe ausser dieser Verfehlung nie einem Kind etwas zu Leide getan: «Man denkt, Pädophile sind tickende Zeitbomben und können jederzeit über Kinder herfallen. Das ist nicht richtig. Ich bin nicht der, der Kinder missbraucht.» Heute lebt er mit einer gleichaltrigen Frau zusammen, die von seiner pädophilen Neigung weiss. Er sagt von sich, er könne mit seiner Pädophilie umgehen. Auch Thomas merkte in der Pubertät, dass er, anders als seine gleichaltrigen Freunde, auf 10- bis 14-jährige Mädchen steht. Er ist hebephil. Wie Marc wurde er als junger Mann wegen Konsums von Missbrauchsdarstellungen von Kindern erwischt, fiel in ein tiefes Loch und hatte Suizidgedanken. Thomas suchte sich Hilfe bei einem Psychologen und dachte, er könne seine Pädophilie wegtherapieren. Doch eine pädophile Neig
Es ist zeitintensiv und nicht ungefährlich. Trotzdem sagt der 23-jährige Mick Fankhauser: «Ich könnte nicht ohne die Feuerwehr.» Schon als Kind faszinierten ihn die Einsatzkräfte in ihrer roten Uniform. Doch immer weniger Menschen sind bereit, alles stehen und liegen zu lassen, wenn der Alarm losgeht. In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Feuerwehrleute in der Schweiz um ein Drittel gesunken. «Die Leute sind heute nicht mehr bereit, etwas für die Gesellschaft zu tun. Es herrscht eine Nehmermentalität», sagt Feuerwehrkommandant Reto Portner. Auch er kämpft darum, Nachwuchs zu finden – eine zunehmend schwierige Aufgabe.
Hannah ist Mitte zwanzig und erhofft sich vom Absetzen der Pille ein neues Lebensgefühl: Sie möchte ihren Körper und ihren Zyklus mehr spüren. Zudem hatte sie durch die Pille keine Periode, diese wünscht sie sich zurück. Nur wenige Wochen nach dem Absetzen stellt sich ihr Leben allerdings auf den Kopf: Hannah wird ungeplant schwanger. Fabienne ist verheiratet und nimmt die Pille: «Das ist für mich und unsere Beziehung einfach.» Und doch: So ganz zufrieden ist sie nicht mit der hormonellen Verhütung, sie leidet unter Libidoverlust. Fabienne spielt mit dem Gedanken, auf die Temperaturmessung umzusteigen. Eine unsicherere Methode, von der sie sich aber mehr Lust auf Sex erhofft. Um eine Schwangerschaft zu verhindern, nimmt Sarina einiges in Kauf. Die 19-Jährige nimmt die Pille seit vier Jahren und kämpft seither mit immer wiederkehrenden Blasenentzündungen. Eine grosse Belastung für sie. Trotzdem komme für sie eine hormonfreie Verhütung momentan nicht infrage: «Mein Freund beginnt gerade
Die Verkäuferinnen und Verkäufer der Firma überrumpeln Passantinnen auf der Strasse, verteilen Gratisproben und locken potenzielle Kundinnen mit Gutscheinen in die Läden. Sie wenden manipulative Verkaufsstrategien an und bringen die Kundinnen dazu, Produkte wie LED-Gesichtsmasken, Cremen und Peelings zu horrenden Preisen zu kaufen und Ratenverträge über Tausende Frauen zu unterschreiben. So hat beispielsweise eine Kundin, die anonym bleiben möchte, Produkte für über 12'000 Franken gekauft, unter anderem eine LED-Gesichtsmaske, die mehrere tausend Franken wert sein soll. Die Wirkung der Produkte der Marken Iconique, Premier, Vine Vera oder Opatra London wird jedoch angezweifelt. Der Chefdermatologen der Universitätsklinik Zürich sagt, er halte nichts von der Qualität der LED-Maske. Damit Licht eine Wirkung auf die Haut erziele, reiche ein batteriebetriebenes LED-Gerät nicht aus. Auch die Cremen seien den Preis nicht wert, meint Thomas Kündig. Warum Frauen diese Produkte trotzdem kaufen,
Eine Studie des Verbands Kinderbetreuung Schweiz, kibesuisse zeigt, dass die Austrittsrate in Kitas gerade bei ausgebildeten Betreuungspersonen mit 33 Prozent im Vergleich mit anderen Berufsständen deutlich höher ist. Gründe dafür seien neben den niedrigen Löhnen auch die schlechten Arbeitsbedingungen, wie lange Arbeitszeiten oder der permanent hohe Lärmpegel. Angela Trutmann-Martin erinnert sich gut an ihre Zeit in ihrer früheren Kita. «Wir mussten ständig den Betreuungsschlüssel neu berechnen und je nachdem die Lernenden länger dabehalten», erzählt sie. Die Arbeitsbedingungen waren so belastend, dass sie schliesslich kündigte. Heute arbeitet sie in einer anderen Einrichtung. «Es ist mein Traumjob – trotz allem», sagt sie. Nicht alle halten durch. Luc Brand hat den Beruf verlassen. «Ich konnte den Kindern nicht mehr gerecht werden», sagt er. Der Druck, die Verantwortung und dazu der niedrige Lohn, das ging für ihn nicht auf. Für Kitaleiterin Rahel Stocker ist klar: Ohne zusätzliche Mi
Von der Sucht getrieben, stahl Jean-Pierre seinen Eltern Geld, bis sein Vater ihn schliesslich aus dem Kinderzimmer warf. Nach Jahren der Entfremdung tasten sich Vater und Sohn nun vorsichtig an eine Versöhnung heran. Beide betäubten ihren Schmerz mit Drogen - und sprechen erstmals über Verletzungen und Gewalt ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Thommy befindet sich im Entzug. Der Weg in ein neues Leben ist für ihn ein radikaler Schnitt, begleitet von der ständigen Angst vor dem Rückfall. Marc kämpft ums nackte Überleben. Der Gedanke, ins Gefängnis zurückzukehren, erscheint ihm fast wie ein Ausweg: « Da könnte ich mich selber wieder zusammenflicken.»
Für die Reporterin ist klar, dass sie ihre Organe Menschen geben würde, die sie kennt und liebt. Aber Fremden? Sie trifft Ardishir, der seit fünf Jahren auf eine neue Niere wartet: «Immer wenn das Handy klingelt, denke ich: Es ist jetzt so weit.» Wenn ein verstorbener Mensch seine Organe spendet, können bis zu fünf Leben gerettet werden. Roland Graf ist Pfarrer und Präsident des Vereins Human Life International Schweiz, der sich unter anderem gegen Abtreibung und den begleiteten Freitod einsetzt. Wäre er schwer krank, würde er keine Organe annehmen und er ist auch kein Organspender. Einer seiner Gründe: Die Angehörigen hätten zu wenig Zeit von der verstorbenen Person Abschied zu nehmen. Corinne und Nicole erzählen, wie es war, als ihr Bruder plötzlich verstarb und sie entscheiden mussten, ob sie seine Organe spenden oder nicht. «Er war ein hilfsbereiter Mensch, deshalb vermuten wir, dass es sein Wille war», so Corinne.
Für Lukas aus St. Gallen gehört Alkohol zum Festival dazu. «Dank dem Rausch kann ich den Alltagsstress hinter mir lassen.» Eskapismus scheint für viele ein guter Grund zu sein, um zu saufen. Für andere ist es der Gruppendruck oder die Party-Stimmung, die zum Trinken verleitet. Dass es ohne ginge, beweist Ramon, der vor einigen Monaten dem Alkohol den Rücken gekehrt hat: «Ich tanze trotzdem in der vordersten Reihe.» Auch die Suchthilfe ist am Openair mit Alkoholtest, Beratung und einem offenen Ohr präsent. Regine Rust und ihr Team beobachten, dass sich das Trinkverhalten verändert hat. Viele Junge würden sich heute im Alltag zurückhalten, um dann aber zu einem bestimmten Zeitpunkt exzessiv Alkohol zu konsumieren. Genau deshalb sei es entscheidend, rechtzeitig über Konsum und seine Gründe zu sprechen.
Unter wissenschaftlicher Aufsicht werden dem Reporter im Universitätsspital Basel mehrere unterschiedliche Dosen DMT injiziert. DMT ist eine der stärksten psychoaktiven Substanzen, die der Mensch kennt und kommt beispielsweise in Ayahuasca vor. Binnen Sekunden wird er in eine andere Realität katapultiert. Intensive Gefühle, bunte, geometrische Bilder und eine völlige Orientierungslosigkeit übermannen ihn. Die Trips sind kurz, aber tiefgreifend. «Es ist eine der stärksten halluzinogenen Erfahrungen überhaupt und diese kann sowohl als gut als auch schlecht erlebt werden», sagt Livio Erne, der die Studie leitet. Droge wie LSD, MDMA oder DMT sind in der Schweiz illegal - erlaubt ist die Einnahme aber für die wissenschaftliche Forschung. Und diese boomt im Moment weltweit. Die Hoffnung ist, tiefgreifende, langanhaltende Veränderungen bei psychischen Erkrankungen zu ermöglichen. Die Studie, an der Robin teilnimmt, wird jedoch mit gesunden Probanden und Probandinnen durchgeführt. Robin trifft
Stefan Eggenberger will an einem Pokerturnier in Italien einen Coup landen. Mehrere hunderttausend Euro stehen auf dem Spiel. Ein Gewinn ist dringend nötig, denn die letzten Monate liefen nicht nach Plan. «Der Traum ist immer da, dass man etwas Grosses gewinnt.» «Poker war mein Leben», sagt Vladimir Geshkenbein. Mit Anfang 20 galt er als Star in der Pokerszene und gewann insgesamt rund 2,5 Millionen Dollar an Turnieren weltweit. Doch es ging nicht nur bergauf: «Auch wenn man der Beste ist, gewinnt man nicht immer». Nachdem er zeitweise pleite war, kehrte er Poker den Rücken zu und findet sich heute in einem neuen Abenteuer wieder.
In Schweizer Kliniken werden immer mehr Penisvergrösserungen durchgeführt. «Seit gut zwei Jahren melden sich deutlich mehr Männer bei uns», sagt David Eyer, Schönheitschirurg in Biel. Er spricht von drei unterschiedlichen Kundengruppen: junge Männer, die in der Gemeinschaftsdusche der Rekrutenschule ihren Mann stehen wollen; homosexuelle Männer; und zunehmend Männer im mittleren Alter: «Typischerweise kurz vor dem fünfzigsten Geburtstag, erfolgreich geschieden und frisch mit einer jungen Freundin zusammen».
In der Stadt Lugano TI kann mit Kryptowährungen den Kaffee, den Einkauf, Parkbussen und sogar die Steuern zahlen. Es werden Kryptokurse an den Universitäten angeboten, internationale Kryptoevents organisiert und in junge Start-ups im Tech-Bereich investiert. Möglich ist dieses Grossprojekt durch den in Lugano TI wohnhaften Kryptomilliardär, Paolo Ardoino. Er ist CEO der internationalen Kryptofirma Tether. Ardoino hat zusammen mit anderen Investoren 100 Millionen Franken in den «Plan B» investiert. Der Stadtpräsident und Politiker der rechten «Lega dei Ticinese», Michele Foletti, glaubt an die Zukunft des Projektes. «rec.»-Reporterin Nora Hesse trifft Gianmarco Guazzo, dessen Tech-Start-up im Kryptobereich eine halbe Million Franken von Investoren erhalten hat. Er und sein Team profitieren vom «Plan B» der Stadt. Doch Nora trifft auch junge Menschen, die skeptisch sind und beispielsweise Freunde haben, die beim Traden Geld verloren haben. Auch Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger is
Der 34-jährige Manuel lebt ohne Smartphone. Für den Berner Rapper ist digitaler Verzicht kein Rückschritt, sondern Haltung. Beni verbringt jede freie Minute in seiner Autowerkstatt. Alte Fahrzeuge seien für den 30-jährigen Gleisbauer keine Statussymbole, sondern «handgemachte Geschichte». Und die 23-jährige Filmwissenschaft-Studentin Kira trägt Secondhand, hört Schallplatten und fotografiert analog. «Wir leben in einer schnelllebigen Welt und Retro hilft mir, von allem Belastenden wie zum Beispiel Social Media Abstand zu gewinnen», sagt sie. Für Kira ist das Teil eines bewussten Innehaltens. Ihre Liebe zum Alten hat aber einen tieferen Ursprung: Sie begann nach dem Tod ihrer rumänischen Grosseltern. Durch die Analogfotografie fühlt sie sich ihrem Grossvater noch heute verbunden.
Ranjith, ein junger Mann tamilischer Herkunft, und Ana, eine Portugiesin, kennen sich schon seit der Schulzeit und verliebten sich später. Heute stehen sie kurz vor der Hochzeit – doch der Preis für ihr Glück ist hoch. Ranjiths Mutter hat den Kontakt zu ihrem Sohn abgebrochen, da sie die Beziehung nie akzeptierte. Für sie zählt das Ansehen innerhalb der tamilischen Gemeinschaft mehr als das persönliche Glück ihres Sohnes. Doch Ranjith hat durch Ana nicht nur seine Liebe gefunden, sondern auch den Weg zurück zu seinen eigenen kulturellen Wurzeln. Heute trägt er seine tamilische Identität mit Stolz – ein Gefühl, das er ohne Ana vielleicht nicht entdeckt hätte. Leona und Eli leben seit fünf Jahren als verheiratetes Paar in der Schweiz. Sie ist Schweizerin, er stammt aus Togo. Auch ihre Beziehung ist von Vorurteilen geprägt – Leona erkannte, dass sie selbst rassistische Muster verinnerlicht hatte und auch ihr Umfeld interpretierte Eli oft durch die Brille kultureller Stereotypen. Um ihn wi
Die 24-jährige Jasmina Berchill nimmt am Morgen, bevor sie zur Arbeit geht, Ritalin. «Das Medikament hilft mir, dass ich die Müdigkeit im Griff habe und nicht die Müdigkeit mich. Aber ich bin trotzdem noch müde.» Damit sie in der Nach schlafen kann, braucht sie ein starkes Schlafmittel. Narkolepsie ist eine neurologische Schlaf-Wach-Störung, bei der die natürliche Regulierung von Schlaf und Wachheit gestört ist. Ihren Job als Direktionsassistentin kann Jasmina nur in einem 50-Prozent-Pensum und mit Pausen, in denen sie schlafen kann, meistern. Celia Graf ist schon in den unpassendsten Situationen eingeschlafen. Zum Beispiel während eines Gesprächs mit ihrem Partner. Neben den Schlafattacken leidet Celia Graf auch an Kataplexie, einer Muskelerschlaffung, die bei starken Emotionen auftritt. Muss sie beispielsweise stark lachen, kann es sein, dass sie die Kontrolle über gewisse Körperteile verliert. Celia nimmt an einer neuen Medikamentenstudie teil. Das gibt ihr nun Hoffnung auf mehr Leb
In den nächsten Jahren braucht es in der Schweiz mehr Lehrpersonen, als an den Pädagogischen Hochschulen ausgebildet werden – Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sollen die Lücke füllen. Das hat einen Preis: «Ich werde den Kindern nicht immer gerecht», sagt Jasna Hollenstein. Sie arbeitet als Heilpädagogin, studiert aber Soziale Arbeit. Für sie ist klar: «Ich bin Teil einer Pflästerlipolitik.» Auch Michèle Nuspel unterrichtet ohne PH-Abschluss – mit zwanzig Prozent Lohnabzug. «Wir sind billige Arbeitskräfte», sagt sie. Schulleiter José Oberson schätzt das Engagement der Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, weiss aber: Fehlende Ausbildung kann das Bildungsniveau der Kinder gefährden. Geht er ein Risiko ein?
Auf der Suche nach Antworten begegnet die Reporterin Menschen mit Trisomie 21, die ihren Platz in der Arbeitswelt bereits gefunden haben. In der Schweiz leben rund 5000 Menschen mit Down-Syndrom. Die meisten arbeiten in geschützten Institutionen, doch manche wagen den Schritt in die freie Wirtschaft. So wie Lukas Hämmerli (23), der nach Rückschlägen einen Job als Pferdepfleger gefunden hat. Oder Julia Wyss (31), die in einer Schulküche eine Aufgabe entdeckt, die ihr Selbstvertrauen stärkt: «Hier fühle ich mich wie ein normaler Mensch, andernorts weniger.» Julia möchte einmal ihr eigenes Restaurant eröffnen. Für Lukas und Julia bedeutet ihre Arbeit weit mehr als blossen Lohnerwerb. Es geht um Selbstständigkeit, Anerkennung und das Gefühl dazuzugehören. Das wünscht sich die Reporterin auch für ihre Tochter. Die Reportage erzählt von Hoffnungen, Hindernissen und Erfolgen. Sie zeigt, wie viel möglich ist, wenn Chancen eröffnet werden – und wie viel Kraft es kostet, sie zu ergreifen. Am End
Leutnant Georgina Mermod ist 22 Jahre alt und führt im Wiederholungskurs in St. Gallen ein Team von Männern. Als Quartiermeisterin ist sie verantwortlich für Finanzen, Logistik und Versorgung – und kämpft dabei auch gegen Vorurteile. «Wenn man wirklich mehr Frauen in der Armee will, muss endlich mehr geschehen. Bisher tut sich schlicht zu wenig», sagt sie. Noch immer ist vieles auf Männerkörper ausgelegt: Schutzwesten drücken, Uniformen sind zu gross und sogar der Hodenschutz gehört zur Standardausrüstung. Eine weibliche Anpassung gibt es kaum. Gleichzeitig erleben laut einer Studie 94 Prozent der Soldatinnen eine Form von sexualisierter Gewalt. Lisa, angehende Offiziersanwärterin, wurde von einem Vorgesetzten belästigt. «Ich habe mich getraut, etwas zu sagen und trotzdem ist er weiterhin an der Schule tätig.» «rec.»-Reporterin Elma Softic geht der Frage nach, wie schwer es Frauen im Militär haben, und ob die Armee für Veränderung wirklich bereit ist.
Bis heute leidet Lukas unter den Folgen seiner Vergangenheit in der Spitzenküche. Während seiner Lehrzeit in einem Sternenrestaurant wurde er so von seinem Chef schikaniert und unter Druck gesetzt, dass er unter anderem Schlafprobleme bekam und als Beruhigung zu Suchtmitteln griff. «Der Anspruch war Perfektionismus, ja nicht den Stern verlieren. Dafür wurde sehr viel in Kauf genommen.» Mit seinen Erlebnissen ist Lukas leider nicht allein. Die Gastronomie gilt als eine der stressigsten Branchen und fast jede dritte Person bricht die Ausbildung ab. Auch Eric kam in der Spitzenküche an sein persönliches Limit. Wegen dem hohen Druck in der Spitzengastronomie erlitt er einen Nervenzusammenbruch. «Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen und konnte es mir nicht vorstellen, zurück in die Küche zu gehen, weil ich sofort zusammengebrochen wäre.»
LAN-Partys feiern gerade ein Comeback: An der SwitzerLAN in Bern treffen sich 2’000 Gamerinnen und Gamer, hängen sich ans gleiche Netz und spielen 72 Stunden lang durch. Für viele ist das nicht einfach ein Event, sondern ein sozialer Treffpunkt: Ein Ort, an dem Online-Freundschaften plötzlich real werden. So auch für Adrian, Meli und Nadine, die sich durchs Gamen zusammengefunden haben und mehrmals im Jahr gemeinsam an LAN-Partys reisen. Doch Gaming hat auch eine andere Seite: Der 34-jährige Fotograf Flavio verlor während der Coronapandemie fast alle Aufträge und flüchtete sich bis zu 16 Stunden pro Tag in Videospiele. Während sein Umfeld vor allem seine Erschöpfungsdepression bemerkte, wusste kaum jemand, wie sehr ihn Gaming zusätzlich isolierte. «Ich gebe nicht dem Gaming die Schuld, sondern mir selbst», sagt er rückblickend.
Ursina fühlte sich auf der Zugfahrt beobachtet und blickte von ihrem Handy auf: «Ich sah sein entblösstes Glied. Er war voll im Akt.» Obwohl sie sonst eine schlagfertige Person ist, war sie in diesem Moment geschockt und wie gelähmt. «Ich konnte nicht reagieren, schaute wieder in mein Handy und versuchte, das Geschehene zu verdrängen», erzählt sie. Auch Lena (Name geändert) hatte ein Horrorerlebnis während einer Zugreise. Das Bild des Mannes, der neben ihr masturbierte, geht ihr seither nicht mehr aus ihrem Kopf. Sie fährt heute nicht mehr gleich Zug wie vor diesem Ereignis. Lena konnte den Vorfall zwar bei einem Zugbegleiter melden, verzichtete dann aber auf eine Anzeige. «rec.»-Reporterin Manuela Morgenthaler zeigte den jungen Mann an, der sie im öffentlichen Verkehr belästigte. Das war wichtig und richtig, wie sich später herausstellte. Wie kann man sich vor Belästigungen und Übergriffen schützen? Und lohnt sich eine Anzeige auch gegen Unbekannt? Im Gespräch mit Polizistinnen, Poliz
Sales Kistler stand vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Sekundarlehrer. Doch je näher das Ziel rückte, desto mehr verspürte er den Leistungsdruck. «Ich konnte nicht mehr schlafen, ich zitterte immerzu», erzählt er. Er hatte solche Angst zu versagen, dass er zum Alkohol griff – erst ein Bier am Abend, dann immer mehr: «Es war eine Abwärtsspirale. Ich musste das Studium abbrechen.» Heute, sechs Jahre später, macht Sales eine Lehre als Schreiner in einer geschützten Werkstatt und steht vor der ersten grossen Prüfung seit seinem Zusammenbruch. Auch Rebekka Sommerhalder kennt das Scheitern. 2020 eröffnete sie eine zweite Filiale ihres Modegeschäfts. Ein Herzensprojekt, das jedoch nach dreieinhalb Jahren scheiterte. «Es war eine toughe Zeit. Ich lief fast in ein Burnout hinein», sagt die Unternehmerin. In der Schweiz gehen jährlich Tausende von Unternehmen Konkurs, rund jede vierte Ausbildung wird abgebrochen. Dennoch bleibt Scheitern ein gesellschaftliches Tabu. Die Reportage zeigt, wie
«rec.»-Reporterin Sofika Yogarasa begibt sich auf eine persönliche Spurensuche. Elf Jahre nach ihrer eigenen Einbürgerung kehrt sie an den Ort ihres damaligen Einbürgerungsgesprächs in Geroldswil ZH zurück. Als junge Frau mit tamilischen Eltern, in der Schweiz geboren und aufgewachsen, war ihr der Schweizer Pass ein grosses Anliegen. Sie erhoffte sich Schutz, Sicherheit und das Gefühl dazuzugehören. Artina Ahmeti wurde der Schweizer Pass gleich zweimal verwehrt – eine Erfahrung, die sie zutiefst erschütterte: «Wie soll ich dann erklären, dass ich ein Teil von der Schweiz bin, wenn sie mich gar nicht als Teil sehen wollen?» Alişiyar Sürensoy, ebenfalls in der Schweiz geboren und aufgewachsen, konnte sich erst kürzlich einbürgern lassen. Für ihn ist der Schweizer Pass ein Stück Freiheit und der offizielle Beweis seiner Identität. «Ich bin Schweizer und basta!», betont er und muss doch immer wieder beweisen, dass er «genug Schweizer» ist. Für viele ist der Weg zum Schweizer Pass seit der
Evi begann mit 17 Jahren in der Prostitution zu arbeiten. «Sex ist für mich ganz normal. Und ob man dafür zahlt oder nicht, kommt nicht darauf an», sagt sie. Doch ihr Verhältnis zur Sexualität ist geprägt durch Missbrauch in der Kindheit. «Ich spüre meine Grenzen nicht immer.» Über Jahre arbeitete sie in Erotikstudios, teilweise bis zu 21 Stunden am Stück. Die Belastung führte zu gesundheitlichen Problemen wie Leistenbrüchen. Seit sieben Monaten arbeitet Evi selbstständig und will die Kontrolle bei sich behalten. «Wenn jemand fragt, ob ich es ohne Kondom mache, blockiere ich ihn auf WhatsApp.» «rec.»-Reporterin Rahel Lenz wartet während der Kundenkontakte in der Küche nebenan. Der Film zeigt den ungeschminkten Alltag: Putzen, Waschen, das Bett neu beziehen, bedienen – immer wieder von vorne. «Ich esse den ganzen Tag nichts, sonst kann ich nicht gut bedienen.» Und: «Manchmal ist es schon deprimierend, wie eine ewige Schlaufe.»
Für Roland Schätti ist seit der Corona-Pandemie klar: Eine geheime Elite diktiert das Weltgeschehen und steuert Politik, Wissenschaft und die Medien. «Die Nahrungsmittelindustrie vergiftet uns, damit die Pharmaindustrie Geld an uns verdienen kann», sagt er − überzeugt von einem System, das gegen die Bevölkerung arbeitet. Auch für Prisca Würgler hat die Corona-Pandemie das Leben auf den Kopf gestellt. Weil sie sich weigerte, im Schulunterricht eine Maske zu tragen, verlor sie ihre Stelle als Primarlehrerin. «Die Corona-Massnahmen waren ein Verbrechen an der Menschheit. Eine Maske tragen zu müssen, fühlte sich für mich wie ein Missbrauch, wie eine Vergewaltigung an.» Heute gibt sie ihrer Wut und ihrem Misstrauen in Staat und System eine Stimme: mit der Gründung der Zeitschrift «Die Freien». Sie ist der Meinung, kritischen und unabhängigen Journalismus zu machen. Doch die publizierten Inhalte stehen im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen. Für den Reporter ist diese Reportage e
Sara Aduse hat alles aufgegeben für ihre Vision: «Ich werde das machen, bis ich sterbe.» Die 34-Jährige will im Osten Äthiopiens die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung beenden. Dort werden rund 80 Prozent der Mädchen beschnitten. Weltweit haben 230 Millionen Frauen eine Form von genitaler Verstümmelung erlebt. Die Genitalverstümmelung ist grausam. Trotzdem ist die Tradition tief verankert. «Das Gute überwiegt», sagt eine Befürworterin. «Die Mädchen würden ruhiger», so eine weitere Befürworterin. Sara setzt auf Aufklärung und Dialog. «Meine direkte Art kommt nicht immer gut an», sagt sie. Aber aufgeben kommt nicht in Frage: Kein Mädchen solle erleben, was sie habe durchmachen müssen. «rec.»-Reporter Livio Chistell begleitet Sara Aduse in Äthiopien.
Mia ist 23 Jahre alt und sieht sich als selbstständige Unternehmerin im Sexgewerbe. Für sie ist der Job der Inbegriff von Unabhängigkeit. Sie setzt die Regeln, zieht die Grenzen, räumt aber auch mit dem Mythos vom schnellen Reichtum auf: «Ich verdiene nicht mehr als in einem 0815-Job.» Maria, 41 Jahre alt, blickt auf über 20 Jahre Sexarbeit zurück. Ihre Erfahrungen mit Escort-Agenturen fallen nüchterner aus. «Ich musste vieles über mich ergehen lassen», sagt sie. Schutz habe es kaum gegeben. Zwar habe sie gut verdient, «aber es hatte seinen Preis».
Tobias Gerber lebt getrennt von seiner Familie. Die drei Kinder sind nur am Wochenende bei ihm. «Am schlimmsten ist der Sonntagabend, wenn sie wieder weg sind. Dann ist es so still.» Auch Pamela Heiniger kennt die Einsamkeit – obwohl sie mitten im Familienleben steht. Sie will alles perfekt machen, hat Mühe Kontrolle abzugeben: «Ich fühle mich einsam in den eigenen vier Wänden.» Laut Pro Familia und dem Elternnotruf ist die Einsamkeit ein Thema bei Müttern und Vätern. Häufig geht sie einher mit sozialer Isolation oder fehlender Unterstützung. Und wenn die Einsamkeit chronisch wird, kann sie zu Depression oder Angststörungen führen. Wie finden Eltern aus der Einsamkeit heraus? Davon handelt diese Reportage.
«Es hat mir komplett die Lebensfreude entzogen», sagt Céline über ihre Zwangsgedanken. Erste Symptome traten in ihrer Teenagerzeit auf. Immer wieder drängte sich derselbe beunruhigende Gedanke auf: «Was, wenn ich jemanden in der Öffentlichkeit sexuell belästige?» Wie eine Schallplatte mit Sprung liefen die irrationalen Befürchtungen in Dauerschleife. Aus Scham sprach sie jahrelang mit niemandem darüber. Psychologe Paul Lukas bestätigt: Viele Betroffene leiden im Verborgenen aus Angst vor Unverständnis. Der Weg zur Heilung führt oft über Konfrontation. «rec.»‑Reporterin Anna Kreidler begleitet Mirco bei einer Expositionstherapie, in der er sich seiner Furcht vor einer Kontamination stellt und schmutzige Wäsche anfassen und in die Waschmaschine legen muss: «Wenn ich Angst habe, dann mache ich es halt mit Angst.»
Firdeusas Nachtschicht beginnt um 3.30 Uhr. Seit 20 Jahren putzt sie die grossen Gelenkbusse, damit diese am Morgen sauber wieder losfahren können. Als ihre drei Kinder noch klein waren, sei der Job ideal für sie gewesen: «Ich war tagsüber für meine Kinder da und konnte gleichzeitig Geld verdienen.» Denn, so ist Firdeusa überzeugt, eine Frau sollte finanziell unabhängig sein. Trotzdem wünscht sie sich für ihre Töchter einen anderen Job. Lino ist vor Kurzem zum zweiten Mal Vater geworden. Auch er kümmert sich um die Kinder und fängt abends um 23 Uhr seine Schicht im Shoppi Tivoli in Spreitenbach an. Rund 25 Kilometer läuft er während seiner Arbeit. Besonders kritisch wird es zwischen 3 und 5 Uhr morgens. Es ist der Moment, in dem der Körper rebelliert, die Konzentration schwindet und nur noch ein Energydrink gegen das biologische Tief hilft.
Seit ihrem achten Lebensjahr wurde Evi von ihrem Grossvater missbraucht. «Nach dem Missbrauch gab er mir jeweils zehn oder zwanzig Franken». Danach sei sie wie gelähmt gewesen und habe als Kind nicht verstanden, was mit ihr geschah. Vier Jahre bleibt alles unentdeckt. Dann wagt Evi das Unaussprechbare auszusprechen. «Mein Vater schlug mich, als ich vom Missbrauch erzählte. Er stelle mich als Lügnerin dar.» Heute ist Evi 42 Jahre alt und arbeitet seit über zwanzig Jahren in der Prostitution. «Meine Vergangenheit hat mit meinem heutigen Job zu tun. Ich bin quasi an diese Arbeit herangeführt worden.» Grenzen habe sie sich erst mit der Zeit erarbeitet. Heute sei sie kein Spielball mehr. Mit ihrem Mann Tom führt Evi ihre bislang längste Beziehung. «Ich kenne ihre Triggerpunkte», sagt er. Und Evi ergänzt: «Manchmal weiss er sogar vor mir, wie am besten zu reagieren ist.» Den Umgang mit dem Erlebten bleibt ein fortlaufender Prozess. Mit Strategien, die sich im Laufe der Zeit verändern. Dazu g
«Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen», sagt Benjamin Stettler-Gruntz. Zusammen mit seiner Frau Katharina, die ebenfalls Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin ist, hat er vor einem Jahr seine eigene Praxis eröffnet. «Ich hätte das niemals ohne Beni gemacht», sagt Katharina Stettler-Gruntz. «Ich kenne niemanden, der heute noch als junger Mensch allein eine Praxis eröffnet.» Bei den Stettlers in Bürglen ist kürzlich die dritte Tochter zur Welt gekommen. Das junge Ärztepaar jongliert zwischen Job und Familienleben. Das ist anspruchsvoll, denn kaum ein Tag ist wie der andere.
«Das Leben auf der Strasse ist der Horror», sagt der 40jährige Sandro. Er lebte 23 Jahre lang mehrheitlich auf der Gasse. Wenn er an seinem ehemaligen Schlafplatz in einer Tiefgarage steht, wird das Ausmass dieser Erfahrung deutlich. Nach seiner Lehre als Mauerer sei er in die Drogen gerutscht und auf der Strasse gelandet. Besonders zu schaffen, machen ihm die Vorurteile und Äusserungen der Mitmenschen: «Sie denken, wir seien gerne in dieser Szene, aber das sind wir überhaupt nicht. Das Leben auf der Strasse ist ein einziger Kampf.» In der Notschlafstelle «Schlafguet» in Olten verbringt die Reporterin eine Nacht und spricht mit Saiko. Nach einem Ehebruch hat er seine Wohnung verloren und lebt seither auf der Strasse. Wann immer möglich schläft er in der Notschlafstelle, wo er auch ein warmes Abendessen und ein Frühstück kriegt. Es könne schnell passieren, dass man kein Dach mehr über dem Kopf habe, sagt er. Ein Schicksalsschlag genüge.
Aus finanziellen Gründen haben sich die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner der 9er-WG in Zürich nicht für die Grosswohnform entschieden. Es ist das Leben in der Gemeinschaft, das sie suchen. Den Alltag gemeinsam zu bestreiten und nicht alles allein stemmen zu müssen. Doch das Zusammenleben mit so Vielen braucht Struktur. Die Wohngemeinschaft organisiert sich über diverse Whatsapp-Chats und regelmässige WG-Sitzungen. Das Finden von Kompromissen gehört dabei zur Tagesordnung. Vor allem wenn es um finanzielle Themen gehe, kann es auch zu längeren Diskussionen kommen, erzählen die Mitbewohnenden.
Wer baut eigentlich unsere Häuser? Das fragt sich Reporterin Elma Softic und kann mit Carlos auf die Baustelle. Er und seine Mitarbeiter arbeiten im Akkord. Am Ende des Tages zählen die vermauerten Steine. «Hier läuft alles auf Leistung. Der Konkurrenzkampf auf dem Bau ist extrem», sagt der 36-Jährige mit einer Zigarette in der einen und dem Energydrink in der anderen Hand. Carlos erzählt, dass praktisch jeder von ihnen ein körperliches Gebrechen hat. Fippi hat seit Jahren Rückenschmerzen vom Steinebuckeln und Mörtelanrühren. Trotzdem wolle er es bis zum Rentenalter 60 durchziehen, sagt er. Fast 40 Prozent der gelernten Maurer verlassen den Beruf nach wenigen Jahren. Doch Carlos würde mit niemandem tauschen. «Wenn ich am Abend an der Bar neben einem Mann im Anzug stehe, bin ich eindeutig stolzer», sagt er. In jeder fertigen Mauer sieht er, was er geleistet hat. Nur die Wertschätzung und Sichtbarkeit fehlen ihm. «Wir Maurer werden häufig übersehen.»
Warum suchen Menschen freiwillig Härte und Schmerz in einer Gesellschaft, die Komfort zum Ideal erhoben hat? Für Sacha Wenk, halb Schweizer, halb Deutscher, war der Ausbruch aus dieser Zone lebensverändernd. «Vor Kung-Fu war ich komplett orientierungslos», gesteht er heute. Er fand sich im europäischen Schulsystem nicht zurecht, brach sein Abitur ab und ging nach China zu einem Kung-Fu-Meister. Bis heute trainiert der 26-Jährige mit ihm, um die Kampfkunst zu perfektionieren. «Ich kann sagen, ich habe den härtesten Lehrer, den es gibt.» Im Reich der Mitte lebt der Walliser den Klosteralltag als Shaolin-Schüler. Im Westen wurde er mit seinen Kung-Fu-Videos unter dem Namen «Sachka» zum Social-Media-Star. In beiden Welten ist Selbstoptimierung durch körperliche und mentale Grenzerfahrung ein Thema. In mehrwöchigen Retreats fordert er Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt körperlich und mental heraus mit Ausdauertraining, Kung‑Fu‑Formen und Übungen, in denen es darum geht, Schmerzen
«Zyklustag 2: ein weinendes Elend. Zyklustag 3: Streit.» Marina trackt ihren Zyklus seit Jahren und fühlt sich dadurch entlastet. «Ich kann mich besser verstehen.» Auch ihr Partner bezieht ihn mit ein. Ihr Liebesleben verändert sich je nach Phase. «In der ersten Zyklushälfte bin ich viel lustvoller, dann haben wir mehr Sex.» Ähnlich bei Maja: Der Zyklus prägt ihren Alltag und ihre Arbeit. Rund um den Eisprung ist sie besonders aktiv, vor der Menstruation plant die Fotografin bewusst weniger ein. Zykluscoachin Josianne Hosner unterstützt seit Jahren Frauen dabei, zyklisch zu leben. Die meisten dieser Frauen erleben die Auseinandersetzung mit ihrem Körper als befreiend. «Frauen merken nach Jahren, wie ihr eigener Körper funktioniert. Das fühlt sich richtig an.» Doch wie fundiert ist das wissenschaftlich? Und wann wird aus Selbstbeobachtung Druck?
Der 15-jährige Gian wollte irgendwann nicht mehr in die Schule. Er litt unter Bauchschmerzen, konnte nachts kaum schlafen und fühlte sich im Unterricht überfordert. «Er war ein Häufchen Elend», sagt seine Mutter. In der Volksschule erhielt er aus ihrer Sicht zu wenig Unterstützung für seine Lernschwäche. Der Druck belastete die ganze Familie. Schliesslich bezog sie ein Vorerbe, um ihm eine Privatschule zu finanzieren – eine Schule ohne Noten und Leistungsdruck. Pan ist Vater von drei Kindern und unterrichtete früher an der Volksschule. Er fand das Arbeiten im Klassenzimmer unzumutbar und wollte auch seinen drei Kindern eine andere Lernumgebung ermöglichen. Bei Wind und Wetter lernen die Kinder draussen, frei nach ihren Interessen. In der Schweiz besuchen rund 5 Prozent der schulpflichtigen Kinder eine Privatschule. Das Interesse an Alternativen steigt – in den letzten 10 Jahren hat die Anzahl der Privatschulen um die Hälfte zugenommen. Die Kosten für Privatschulen in der Schweiz variie
Johanna von Ott aus Chur weiss genau, was sie will: Einen Mann fürs Leben, beruflich erfolgreicher als sie, mit dem sie eine Familie gründen kann. Nach unzähligen Enttäuschungen mit Dating-Apps hat sie nun 5000 Euro in eine Partnervermittlung investiert. «rec.»-Reporterin Anne-Sophie Galli ist dabei, wenn Johanna mit ihrer Matchmakerin Dealbreaker und Dates bespricht, ein Dating-Coaching und eine Stilberatung bekommt. Gleichzeitig blickt die Reporterin hinter die Kulissen der Partnervermittlung: Luxus-Matchmakerin Elena Sachs sucht an exklusiven Locations, wie einem Pilates-Kurs in einem 5-Sterne-Hotel in Luzern, gezielt nach Frauen für ihre zahlenden Kunden. Das sind meistens beruflich erfolgreiche Männer, die bereit sind, mindestens 12’000 Franken für den perfekten Match hinzublättern. Noch einen Schritt weiter geht Christophe Diserens aus Lausanne: Er zahlt einer High-Class-Vermittlerin in Dubai stolze 30’000 Dollar. Für ihn ein rationales Investment in seine Traumfrau. Wie viel ist
Seit der ersten Klasse wurde Margaux von Gleichaltrigen gedemütigt und sogar geschlagen. «Ich habe geschwiegen, als würde mir alles nichts ausmachen», sagt die 28-Jährige heute. Als das Mobbing in der Berufslehre weitergeht, bricht sie zusammen. «Mein Körper hat Stopp geschrien. Ich war seelisch und körperlich am Ende und konnte nicht mehr aus dem Haus.» Auch Thomas wird in der Schulzeit und im Berufsleben wegen seines «Andersseins» verspottet. Die ständigen Anfeindungen verunsichern ihn zutiefst: «Das Mobbing hat mich verletzt und einsam gemacht. Ich habe mich gefragt, was mit mir nicht stimmt. Und ob ein Leben so noch Sinn macht.» Wie gefährlich Mobbing werden kann, zeigt Célines Geschichte. Die 13-Jährige nimmt sich nach monatelangem Cybermobbing das Leben. Ihre Eltern kämpfen mit der Trauer und für Aufklärung: «Mobbing muss enttabuisiert werden, jeder soll Verantwortung übernehmen.»
Nur wenige Monate nach dem Abschluss ihrer Ausbildung hat die 23-jährige Melanie eine eigene Bäckerei eröffnet. Sie steht sieben Tage pro Woche in der Backstube, mehr als vier Stunden Schlaf am Stück gibt es selten. Ein Sozialleben hat da kaum Platz. Für Melanie kein Hindernis: «Ausgang sagt mir nichts – ich gehe arbeiten.» Der 26-jährige Emre steht derweil am Beginn eines neuen Abenteuers. Nach seinem Medizinstudium tritt er seine erste Stelle als Assistenzarzt auf der Neurochirurgie an. Es ist eine der Königsdisziplinen der Medizin: Hirnoperationen sind Millimeterarbeit unter dem Mikroskop und Fehler können schwerwiegende Folgen haben. Emre erwarten endlose Arbeitswochen und viel Verantwortung. «Wenn ich nicht Feuer und Flamme für dieses Fach wäre, würde ich mir das nie im Leben antun», sagt er.
Für Thomas Staffelbach war der Weg vorgegeben: Er ist auf dem Bauernhof in Hergiswil bei Wilisau aufgewachsen und hat ihn vom Vater übernommen. Seit jeher bestimmt der Hof den Rhythmus in seinem Leben: Um 3.30 Uhr geht’s in den Stall, später auf den Traktor, dazwischen die Tiere und viel körperliche Arbeit auf den Weiden. Reporter Martin Lustenberger hingegen ist in der Agglomeration aufgewachsen und liebt sein Leben in der Stadt. Als Kind machte er Ferien bei seinem Götti und seinem Cousin auf dem Hof – aber selbst Bauer werden? Das wäre ihm nicht im Traum in den Sinn gekommen. Nun spürt er am eigenen Leib die Knochenarbeit, die das Lebenswerk seiner Familie mütterlicherseits fordert. Zwischen der Geburt eines Kalbes und Gesprächen am Küchentisch wird der Hofbesuch zu einer ehrlichen Begegnung zweier Verwandter, die in völlig anderen Welten leben.
Ablexu ist queer und hört beim Dating immer wieder unverschämte Sprüche von weissen Männern. «Ich werde nicht als Mensch gesehen, sondern als das, was ich zwischen den Beinen habe», erzählt er. Basketballspieler Joel erging es ähnlich. Von Frauen und Teamkollegen wurde er ständig mit dem Klischee konfrontiert, Schwarze Männer hätten ein grosses Geschlechtsteil. Als junger Mann verunsicherten ihn die Sprüche und setzten ihn unter Druck. Er hatte das Gefühl, diesen Vorstellungen entsprechen zu müssen. Auch Yanê hat als halb Schweizerin, halb Brasilianerin Erfahrungen mit Sexualisierung und Exotisierung aufgrund ihrer Herkunft erlebt: «Sie denken, ich könne mich als Latina gut bewegen und sei gut im Bett.» Vanessa hat vietnamesische Wurzeln und erzählt vom sogenannten «Yellow Fever» – ein Begriff, der die sexuelle Vorliebe von westlichen Männern für ost- und südostasiatische Frauen beschreibt. Sie glaubt, dass Pornos ein stereotypes Bild asiatischer Frauen verbreiten: «Die asiatische Frau
Ein normales Leben führen, studieren, abends selbst entscheiden, wann man ins Bett geht, oder mit Freunden an den Gottéronmatch gehen und einen Eistee trinken: Was für viele selbstverständlich ist, ist für den Juristen und Studenten Markus Fankhauser ein ständiger Kampf um Selbstbestimmtheit und Freiheit. «Ich möchte kein Bürger zweiter Klasse sein, sondern hier an der Uni mitdiskutieren können und ein Teil der gesunden Welt sein», sagt er. Der 35-Jährige und sein Bruder Dominik leben auf dem elterlichen Bauernhof im Emmental. Ein Leben in einem Wohnheim oder einer Pflegeeinrichtung kommt für die Brüder nicht infrage. Möglich macht das ein engmaschiges Netz aus Familie, Freunden und 13 Assistentinnen und Assistenten, die von den Brüdern angestellt sind und von der IV bezahlt werden. Markus und Dominik können sie bei Bedarf einsetzen und so ihren Alltag so weit wie möglich selbst steuern. Die Hände der Assistentinnen sind dann die Hände von Markus: Sie drücken den Liftknopf in der Uni,
Léa (36) entscheidet sich trotz Partner für diesen emotional und körperlich enorm belastenden Weg. «Ich habe mich lange dagegen gewehrt, dass ich mich als Frau allein mit dem Thema Kinderwunsch auseinandersetzen muss», sagt sie. «Wenn meine Beziehung hält, kaufe ich uns damit Zeit. Wenn nicht, kaufe ich mir Zeit.» Diese Zeit hat ihren Preis: Für einen Social-Freezing-Zyklus müssen Frauen in der Schweiz mit Kosten von 6'000 bis 9'000 Franken rechnen, hinzu kommt eine jährliche Lagerungsgebühr. Die Hormonstimulation mittels Spritzen dauert in der Regel zwei Wochen. Ziel ist es, möglichst viele Eizellen zur Reifung anzuregen, idealerweise rund 20. Viele Frauen benötigen dafür jedoch zwei oder sogar drei Behandlungszyklen. So auch Whitney Toyloy (35), die nach dem ersten Durchgang fast aufgegeben hätte: «Als man mir sagte, man könne nur drei Eizellen entnehmen, bin ich zusammengebrochen. Ich dachte, ich werde vielleicht nie Mutter.» Das vorsorgliche Einfrieren von Eizellen ist in der Schwe
«Social Media ist wie ein Commitment-Buddy für mich», sagt Peter Bolliger, während er bei 30 Grad über eine Schotterstrasse joggt. «Wenn ich mein Ziel öffentlich teile, muss ich auch dafür trainieren». Der 30-jährige Content Creator aus dem Kanton Aargau dokumentiert seinen Trainingsalltag für hunderttausende Follower:innen. Letzten Sommer lief er 26 Marathons in 26 Tagen, durch alle Kantone der Schweiz. Seine nächste Challaenge: Ein Ultra-Trail-Run mit 101-Kilometer und 6’700 Höhenmeter. Michèle Rüedi hat selbst noch nie an einem solchen Event teilgenommen. In ihrem Umfeld und vor allem auf Social Media scheint das inzwischen aber die normalste Sache der Welt zu sein. «Ich bin keine Läuferin, absolut kein Ausdauer-Mensch», sagt die Reporterin. Trotzdem meldet sie sich für ihren ersten Triathlon an. Zwischen Schwimmtraining, Prüfungsstress und neuen Follower:innen auf Social Media stellt sie sich die Frage: Wieso quälen wir uns bis an unsere Grenzen?