Finch ist sowas wie das kollektive Guilty Pleasure der deutschen Musikszene. Was als ostdeutscher Battle-Rap mit Trainingsjacke, Schnauzer und Vokuhila begann, ist längst zu einem eigenen kleinen Paralleluniversum geworden: halb Abrissparty, halb Heimatfilm auf Energy Drink. Zwischen Eurodance, Rap, Schlager-Reminiszenzen und Proll-Poesie baut Finch Musik für Menschen, die Ironie mögen, aber irgendwann trotzdem ernsthaft die Faust in die Luft reißen. Tracks wie "Abfahrt", "Liebe auf der Rückbank" oder "Onkelz Poster" sind gleichzeitig völlig drüber und erstaunlich präzise gebaut. Man lacht erst, dann singt man mit, dann steht man plötzlich mit beiden Armen oben im Moshpit der Dorfjugend. Eine Liveshow von Finch ist wie ein Boxkampf mit dem einarmigen Karusellbremser auf dem größten Dorffest des Landes. Da treffen Festival, Kirmes, Rapshow und Klassenfahrt aufeinander.